Das Wort zum Sonntag: Guillermo del Toros Dilemma

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Es ist schon ein Jammer: Kaum eine Woche vergeht in der Filmwelt, ohne dass nicht irgendein neues Projekt von Guillermo del Toro angekündigt, verschoben, dann fallengelassen und schließlich doch (irgendwie) wiederbelebt wird.

Drei Filme für Universal, darunter eine Neuinterpretation von „Frankenstein“, eine düsterere Version des „Pinocchio“-Stoffes, an der er sich schon drei Jahre lang abarbeitet und deren Zukunft ungewiss ist, diverse Roman-Adaptionen, Pacific Rim 2, den del Toro jetzt aber doch nur produzieren wird, Gerüchten zufolge auch Hellboy 3, unzählige Skripte und seit neuem eine Umsetzung der „Scary Stories to Tell in the Dark“-Bücher; an all dem ist der mexikanische Regisseur beteiligt. Und nebenbei versucht er immer wieder, seinen Wunschfilm, eine Verfilmung der Lovecraft-Geschichte „Berge des Wahnsinns“, auf die Beine zu stellen, was ihm aber einfach nicht gelingen will. Schade, wäre diese Story doch eigentlich perfekt für das dunkel-visuelle Genie des Mannes.

Guillermo del Toro image Hellboy 2

Doch woran liegt das alles? Spätestens seit „Pans Labyrinth“ ist Guillermo del Toro ein unbestrittener Kritikerliebling, während er sich mit Filmen wie der „Hellboy“-Reihe und „Pacific Rim“ auch kommerziell etablieren konnte. Langsam jedoch wirkt es so, als würde del Toro nur noch kleinere Nebenprojekte verwirklichen, während er auf den nächsten, großen Wurf wartet, der jedoch in immer weitere Ferne rückt. An sein Meisterwerk „Pans Labyrinth“, das seinen Ruf als einen der vielversprechendsten filmischen Märchenerzähler begründete, ist er nicht mehr herangekommen, zwar sind die darauffolgenden Werke noch immer überdurchschnittlich gut und auf ihre Weise besonders, aber man merkt: Da ist noch viel Potential, das verschenkt wird (Jüngstes Beispiel: „Crimson Peak“).

Am Geld liegt es sicher nicht. Die Studios reißen sich um ihn, und del Toro scheint sich darüber zu freuen; siehe oben. Zu viele Suppen sind auf dem Feuer, denen er seine eigene Würze verleihen will, seinen eigenen Stempel aufdrücken möchte, und so etwas gefällt den Entscheidern, den Geldgebern in Hollywood bekanntlich nicht besonders. Die Projekte werden aufgeschoben, der Grund ist ein offenes Geheimnis. Man fürchtet, der visuelle Stil del Toros sei nicht massenkompatibel und sorge nur für Verstörung und Ablehnung beim Mainstreampublikum.

Vielleicht ist das gar nicht mal schlecht. So kann Guillermo del Toro doch die künstlerische Integrität, die ihm so wichtig ist, erhalten. Und vielleicht stellen sich ja Ernüchterung, aber hoffentlich auch Besinnung auf alte Qualitäten bei ihm ein, und er konzentriert sich nurnoch auf Herzensprojekte. Filme und Stoffe, die zu seinem perfekten Gespür für das Makabre passen und die endlich wieder seine alte Klasse erreichen, Filme die er nicht fallen lassen muss, weil er sich eindeutig übernommen hat.

Fans, mich eingeschlossen, würde es freuen. Wir warten.