Der Golden Globe Livechat & Unsere Favoriten

by
Der Live Chat

Heute Abend, besser gesagt: Heute Nacht versammeln sich die Stars wieder im Beverly Hilton Hotel und fiebern zusammen den einzelnen Kategorien entgegen. Neben einigen miesen Überraschungen, ja Deadpool du repetitives Stück Scheiße bist gemeint, finden wir eigentlich dieses Jahr eine erstaunlich gute Qualität in den nominierten Filmen und Darstellern. Wer die Nacht nicht alleine verbringen möchte und gerne Lust hat über die bevorstehende Golden Globes 2017 zu schreiben, darf ab 1 Uhr heute Nacht gerne unserem Livechat beiwohnen. Auf der Startseite öffnet sich dieser direkt automatisch und bleibt bestehen, wenn ihr durch unsere Beiträge stöbern möchtet! 


Warum La La Land ein absoluter Favorit ist  | Victor Hoheneder

Sicher, dieses Jahr sind wieder einige feinfühlige Dramen und mit dem Kriegsfilm „Hacksaw Ridge“ eine erschütternd-poetische, verfilmte wahre Begebenheit nominiert, aber warum nicht einmal die pure Kraft des Kinos feiern? Die Kraft des Kinos im warmen Rot, Grün, Blau, Gelb, in allen, so reichhaltigen Farben und Formen, die auf uns hinunter strömen, durch eine Leinwand, die selten so lebendig war wie hier. Boy meets Girl. Damien Chazelle, der dezidiert musikalischste Regisseur unserer Gegenwart, inszeniert in Cinemascope so tänzelnd leicht, rhythmisch und beweist, wie sehr er an diese archaische Prämisse glaubt, wie sehr er diese Stadt kennt, in der immer Sommer ist und sogar die Dunkelheit der Nächte zur sanften Decke wird, gewärmt durch das warme Licht des Jazzclubs und die Energie einer Klavierimprovisation – Chazelle liebt einfach das Kino. Und was gibt es schöneres, als jemandem dabei zuzusehen, es zu zeigen, sich auszutoben und wie er durch den vielersehnten Zauber des Celluloids die abgestumpften Filmrezeptoren durchlüftet? Eine ganz kurze Montage mit etwas Sounddesign – damit vollbringt es der Film, die ganze Energie des Jazz zu erklären; „La La Land“ ist ein Hymnus an so vieles, an die (künstlerische) Freiheit, die echte und wahrhaftige Liebe und noch viel mehr… Vor allem aber – und es ist wirklich traurig, dass das irgendwie profan und banal klingt – ist „La La Land“ ein wunderschöner Film. Man kann es kaum in Worte fassen. Ein großes Stück Kino (sogar für Musicalverächter). Und es würde viel – nichts Gutes – über die Jury aussagen, wenn nicht „La La Land“ den Globe abräumt.

©Studiocanal


Hell or High Water – Überdurschnittliche Routine  | Oliver Buteröwe

Aus rein narrativer Sicht gibt es hier nichts Neues. „Hell or High Water“ wirkt wie eine traditionelle Anordnung bekannter Melodien. Ist ein klassischer Western über texanische Alt-Bullen und Räuber mit moralischen Kompass im Graubereich. Angesiedelt in der endlosen West-Texas-Landschaft und den zum Ausverkauf stehenden Kleinstätten, wo scheinbar jeder um sein Überleben kämpft, es nur noch Anachronismus und das klare Feindbild gibt, die gesichtslose, räuberische Bank. Der Film ist offensichtlich ein Kommentar zum Zustand der US-Provinz, die von vergessenen Kapitalismus-Verlierern bevölkert ist. Nur brüderlicher Liebe gibt Halt, Familie die Hoffnung. In den Gesichtern der hervorragenden Schauspielern stehen bittere Geschichten geschrieben, die Autor Taylor Sheridan (Sicario) in einer längst vergessenen Kunst des Dialogs offenbart, effizient mit staubtrockenen Humor serviert. Sicher und routiniert von Alt-Meister David Mackenzie als Neo-Western inszeniert, der bekanntes Territorium elegisch betritt.

©Paramount


Deadpool – Wer feiert sowas eigentlich? | Tim Erkert

Die folgenden Statements wurden von Besuchern einer Deadpool-Vorstellung nach Verlassen des Kinosaals aufgenommen:

„Soo geil wie Deadpool immer mit dem Zuschauer spricht! Erster Film der sowas macht. Legendär!“ – Kevin, 17, nennt seinen besten Freund ausschließlich „Brudi“

„Der Film ist so gahahahahahahahahahail!!!“ – Jonas, 13, führt während des Statements sehr schnelle Fickbewegungen aus.

„Diesen Film zu sehen, ist das Beste was mir passiert ist, seit mich meine Frau verlassen hat!“ – Bernd, 43, seit 6 Jahren wieder Single, weil alle Frauen falsche Schlangen sind

„Der Film ist so schön böse und unnormal. Sowas habe ich noch nie gesehen und ich kenne jeden Superheldenfilm!“ – Tobias, 16 Jahre, Superhelden-Fan, hat manchmal 5 Minuten Blümchensex mit seiner Freundin, wenn sie nicht gemeinsam lernen

„Sowas habe ich noch nie gesehen. Dieser Film stellt wirklich ALLES auf den Kopf, was man aus dem Kino kennt. So eine gute Zeit hatte ich noch nie im Kino. ‚Deadpool‘ ist einfach der perfekteste Film.“ – Sven, 25, trägt Karohemden, studiert Maschinenbau

„Besser als Sex!“ – Konstantin, 19, trägt ein Deadpool-Shirt, vermutlich Jungfrau

„Geilsta scheiß, den i je gsehn ho! Besta Füm üwahaupt! I bi gstoam voa lochn, es woa sooooo geil, ohne Scheiß! Fost so guad wies Budan“ – Patzi, 18, hat am letzten Kirtag (eine Art österreichische Kirmes) eine besinnungslos gesoffene 14-Jährige vernascht

„Von dieser Filmkunst kann sich Todd Solondz mal eine Scheibe abschneiden“ – Peter Müller, 45, Mitglied der HFPA

„My favorite comic book movie.“ – Blake Lively, 29, geistig 13, Mutter eines bemitleidenswerten Kindes

Deadpool, der echte Iron Man und eine animierte junge Sinéad O’Connor. l ©Fox