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Die 10 besten Filme des Jahres | Victor

von Victor

Die Plätze 10-7

10. Paterson (Jim Jarmusch)

Jim Jarmusch ist eine der wichtigsten, wenn nicht sogar die wichtigste Figur im Indepententkino der USA und schafft schon seit mehr als 30 Jahren einzigartiges. Und wie auch Todd Solondz fährt er damit glücklicherweise fort. Adam Driver, der seine Wurzeln sowieso im Indiefilm hat – dort gefiel er z. B. im wunderschönen „Frances Ha“ deutlich besser als in „Star Wars VII“, wo er den bösen Emo geben musste – spielt den Busfahrer Paterson, der im gleichnamigen Nest seine Runden dreht und einem eher ungewöhnlichen Hobby nachgeht: Er schreibt Gedichte. Jarmusch zeigt den Alltag einer ganzen Woche, dementsprechend ist „Paterson“ in sieben Kapitel eingeteilt, und inszeniert dabei ganz alltäglich, elliptisch und mit einem Minimum an Abwechslung; das ist ein riskantes Konzept, geht aber auf, weil er in jedem Kapitel eine etwas veränderte Perspektive einnimmt und in Patersons naiv-profanen Gedichten die ganze Poesie des Alltags zum Vorschein kommen lässt. Ein unglaublich liebenswerter Film, schüchtern lyrisch und von einer großen Zuneigung zur Kreatur beseelt.

©Weltkino

9. The Accountant (Gavin O´Connor)

Es gibt sie noch, die Actionthriller, die noch etwas mehr zu bieten haben als den oberflächlichen Reiz aus der routinierten, genormten Inszenierung. „The Accountant“ hat die Massen nicht in die Kinos getrieben, dafür ist er zu „contained“, wie man im Englischen sagt, zu zurückgenommen, zu bescheiden, denn letztlich ist er weniger ein Actionfilm als die Geschichte eines Mannes, der alleine großwerden, sich durchbeißen musste, scheinbar durch seinen Autismus zum Außenseiter-Dasein verdammt ist und doch irgendwie zur Freundschaft findet. „The Accountant“ geht dabei einen gesunden Weg und vermeidet zumindest die schmerzhaften Klischees; klar, die Verrenkungen der Handlung sind hanebüchen. Eigenartig, dass man dem Film das alles vergibt. Bescheidenheit, jedenfalls, kann im Kino eine echte Tugend sein.

©Warner

8. The Revenant (Alejandro González Iñárritu)

Alejandro González Iñárritu geht einen schmalen Grad und droht in die esoterischen Belanglosigkeiten eine Terrence Malick abzutauchen, bleibt aber noch auf dem Teppich. Der Held des Films ist Emmanuel Lubezki, der für „The Revenant“ seinen dritten Oscar erhielt. Auch wenn sich sein visuelles Konzept nicht gerade über die Jahre gewandelt und groß weiterentwickelt hat – hauptsache lange Kamerafahrten -, ist es noch nicht erschöpft. Grau, blau, weiß und selbst das barmherzige Feuer wirkt kalt zwischen den gefrorenen Baumstümpfen. Bilder, die verweilen und dann wieder gehetzt weitereilen. Die Ästhetik verweigert sich dem Schnitt und bleibt ganz nah bei seinen aufs pure Körperliche reduzierten Figuren. Ganz roh. Der Zuschauer muss den Film fressen, wie Glass die Leber des Büffels fressen muss. Man kann nicht anders. Besonders beängstigend: Tom Hardy, besonders, wie er mit seinen letzten Worten das ganze Streben Glass‘ negiert: „Du hast all das auf dich genommen, nur für ein bisschen Rache.“

©20th Century Fox

7. Maggies Plan (Rebecca Miller)

Welche Verwerfungen und Metamorphosen das Genre der romantischen Komödie über die Jahrzehnte heimsuchten! Wo einst Regisseure wie Howard Hawks und Billy Wilder die sympathischsten Meisterwerke schufen und Actricen wie Marilyn Monroe zu Ikonen aufbauten, liegt jetzt ein Schrottplatz, ein Friedhof für die Karrieren abgehalfterter Stars, lieblos gedreht, um das weibliche Zielpublikum in die unsäglichen „Ladies‘ Nights“ der Lichtspielhäuser zu treiben. Rebecca Miller zeigt, dass es auch anders geht und veranstaltet eine kleine, aber feine und sehr süffisante Revival-Feier, die lustvoll schrullig Woody Allens beste Zeiten aufruft und von Irrungen, Wirrungen New Yorker Intellektueller erzählt. Etablierte Schauspieler wie Ethan Hawke und Julianne Moore beweisen echte Spielfreude, und alles überragt die im Kleinen überlebensgroße Greta Gerwig, schon jetzt eine US-Indieikone an der Schwelle zum Durchbruch. Gott sei Dank. Eine Romantic Comedy, die wirklich romantisch, und vor allem wirklich lustig ist. Sowas gab’s schon lange nicht mehr.

©MFA+

6. Remainder (Omer Fast)

Die besten Filme sind oft die, über die man am schwersten schreiben kann. Man sollte einfach die Fragmente aufsammeln und den Sog dieses Films spüren. Omar Fast inszeniert in seinem Spielfilmdebüt das Leben als Summe von Erinnerungen; sie sind das, was bleibt, neben Momenten des Innehaltens zwischen Niederlage und Streben. Entgegen aller Erwartungen produzierte der israelische Videokünstler keinen filmischen Scherbenhaufen und schafft pures, wirklich „europäisches“ Kino – ein Kino, das zum Glück noch lebt und frei atmet wie nie. Besonders schön ist es dann, zu sehen, dass „Remainder“ unter deutscher Beteiligung entstand.

Persönliche Entdeckung des Jahre (neben Greta Gerwig): Tom Sturridge.

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