In a Valley of Violence

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Genrewechsel fallen (erfolgreichen) Horrorregisseuren nicht immer unbedingt leicht. Rob Zombie, beispielsweise, meinte im Interview mit Mick Garris, dass er selbst lieber Western drehen würde, aber es schwer sei, in seiner Position dafür Geldgeber zu finden. Wie dem auch sei – Kollege Ti West hat es geschafft und mit Ethan Hawke und John Travolta auch zwei mittelgroße Namen für das Projekt an Land ziehen können.

Nein, „In a Valley of Violence“ ist kein Western von der Klasse oder Größe der beiden Genrebeiträge Tarantinos. Viel eher ist es ein kleiner Versuch, eine eigene Version eines altbekannten Stoffes mit den eigenen Gesichtern für die Tropen und Klischees zu kreieren. Herrlich ist dabei, dass Ti West nicht versucht irgendetwas zu imitieren, sondern munter drauf los mischt, was ihm gerade so in den Kram passt. In der einen Szene wird der Italowestern zitiert und schon im nächsten Moment fühlt man sich eher an die John-Wayne-Gaudi-Western der 60er erinnert. Das mit roher Slasher-Brutalität und einer John-Wick-Story gepaart ergibt ein durchaus kurioses Mashup, bei dem sich nicht alles reibungslos aneinander fügen will. Das macht aber nichts, denn gerade so weht durch den Film eine frische Brise, die jeden Verzicht auf Originalität wieder durch ein – anders lässt es sich kaum sagen – waschechtes Westerngefühl wett macht. Einem jeden Genrefreund dürfte streckenweise das Herz absolut aufgehen.

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Eine wirklich für sich sprechende Ästhetik fügt Ti West dem nicht hinzu, dennoch verfehlt die rohe Gewalt ihre Wirkung nicht. So wie Ti West sie in den Überbau der Handlung einarbeitet, nimmt sie zynisch kommentierende Züge an. Denn sie offenbart eine schmerzliche Ironie: Der dessertierte Ethan Hawke rutscht in einem unbedeutenden Kaff in die Spirale der Gewalt, die nur durch die gelangweilten Halbstarken des Dorfes überhaupt entsteht, da diese – und hier ist Ti West allzu realistisch in seiner Darstellung – alles was ihnen Fremd erscheint mit brodelnder Aggression begegnen. Hier muss Ethan Hawke noch einmal töten, hatte er den Kampf in der Armee gegen die Indianer, einen Kampf dafür, dass es noch mehr solcher unbehelligter Käffer geben kann, doch eigentlich längst abgeschworen. Dass seine in der Armee erworbenen Fähigkeiten den Dörflern den gar aus machen, ist schließlich die bittere Konsequenz des Ganzen. Ethan Hawke ist der weitsichtige Weltbürger, der durch Kleingeister gezwungen wird, Dinge zu tun, die er längst aus seinem Leben verbannt hatte.

Ein schöner Western ist West hier zweifelsohne gelungen, der wieder einmal zeigt, dass es um das Genre gar nicht so schlecht steht. Schwachstellen, wie den grässlich spielenden James Ransone, geraten nicht zuletzt dadurch in Vergessenheit, dass „In a Valley of Violence“, den großen Spaß, den gute Western machen, mit sich bringt. Es ist ein pfiffiger, schöner und tierverliebter Gewaltwestern. Und somit eine der kleinen Perlen des Jahres.

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