Baymax

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Es scheint so, als hätte der desaströse „Avengers 2“ bereits im Januar einen Vorboten gehabt, der ähnlich enttäuscht wie das Superhelden-Mashup aus dem Hause Marvel. Doch bei Baymax ist das doppelt so schade, denn nach einer gelungenen ersten halben Stunde verschenkt der Film sein Potenzial in einem wahren Temporausch. Nachdem Protagonist Hiro eingeleitet und die Beziehung zu seinem Bruder emotional verankert wurde, nimmt man sich nicht mehr viel Zeit diesen ableben zu lassen und den sympathischen Hilfsroboter Baymax einzuführen. Zeitgleich damit sieht man auch den Höhepunkt des Filmes, denn der pummelige und tollpatschige Robo erweckt Sympathien und hat diese leicht manipulierende „Och Gottchen ist der knuffig“- Attitüde. Auch der Humor wirkt bis dahin absolut sympathisch und unbedenklich unterhaltend. Nachdem aber dann in der fortlaufenden Geschichte die Investigation des Feuerunfalls, dass Hiro das Leben des Bruders nahm, fokussiert wird und das ungewöhnliche Duo erstmals mit dem Gegner konfrontiert wird, verliert sich das Konzept aus den Augen.

Aus Hiro, Baymax und seinen Freunden wird ein Superheldenteam (Avengers lässt grüßen) und plötzlich findet sich der Film in einer Materialschlacht wieder, die sich nicht in die bisherige Art der Unterhaltung eingliedern möchte. Wo der Robo vorher noch als sich kümmernder und liebevoller Elternersatz fungierte, wird er kurzzeitig auf die Vernichtung ausgelegt, da die Hauptperson einen kleinen emotionalen Durchhänger hat. Im Finale findet die Überladung dann auch ihren absoluten Höhepunkt, was sicherlich nicht unspektakulär ist, jedoch dafür sorgt, dass Baymax zu einem endgültigen Animationsverschnitt der Avengers wird, nur dass es hier vollkommen in Ordnung ist, dass alle Effekte animiert sind.

Zu Beginn ist Baymax ein absolut empfehlenswerter Familienfilm, der mit seinem sympathischen Heldengespann für leichte Unterhaltung sorgt und auch auf emotionaler Ebene noch funktioniert. Sobald sich der Film jedoch auf seine Superheldentruppe fokussiert und ihm Action und Explosionen wichtiger sind als ein sich kümmernder Roboter, verliert der Film seine eigentliche Prämisse aus dem Auge und gleichzeitig auch noch seine Qualität. Schade ist das besonders, denn hätte man die Qualität der Exposition gehalten und das Abenteuer auf realistischerer Ebene gehalten, wäre „Big Hero 6“ ein richtig toller Animationsfilm geworden. So ist es leider nur enorm verschenktes Potenzial mit einer sympathischen und liebevollen ersten halben Stunde.

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Alle Bildrechte obliegen dem Verleih ©Walt Disney