Bedeviled

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Bedeviled reiht sich problemlos mit in die Sparte des Zeitgeist-Horrors ein und nähert sich dem Social Media Spuk an, wie es in den vergangenen zwei Jahren bereits mit Unknown User und Unfriend probiert wurde. Man nehme unsere Sucht nach digitaler Existenz und setzt sie mit einem neuen Horrormaskottchen zusammen. Wir hatten Freddy, wir hatten Jason, Michael Myers oder Bughuul, als frisches Beispiel. Im Jahr 2017 ist nun Platz für Mr.Bedeviled, eine App die sich anfangs als hilfreiche Alltagsergänzung tarnt, um uns dann mit unseren schlimmsten Alpträumen zu konfrontieren.

Direkt vorweg gesagt, Bedeviled ist lediglich der Konservenhorror, den wir auf dem Heimkinomarkt beinahe wöchentlich vorgesetzt bekommen. Er hat die Mechanismen des Genres verstanden, weiß im Spannungsaufbau jedoch nicht zu punkten und endet somit als leicht zu vergessendes Abspeisen bekannter Jump-Scare Motive. Optisch jedoch kann der Film der Vang Brüder einige interessante Ansätze entwickeln, Beispielsweise in den verzerrten Weitwinkelshots der Korridore, die ein ausgedehntes Gefühl von Entfernung entwickeln und damit spielerisch angenehm mit der Angst der Protagonisten spielen. Auch genretechnisch vermag der Ansatz von Kreativität durch die Produktion geflossen zu sein, denn trotz seiner Affinität zu generischen Jump-Scares entwicklen sich einige Momente zu fiesen Spannungsszenen, die im Abgang jedoch verbockt werden.

Bedeviled Movie Inglourious Fimgeeks

Bedeviled kann sich nämlich, wie andere Vertreter (darunter auch beinahe jeder kommerziell erfolgreichen James Wan/Blumhouse Verschnitt), einfach nicht zurückhalten, die Schockklaviatur zu spielen, die viel mehr nur daraus besteht mit einem überlauten Schock zu enden, in der Hoffnung im Zuschauer regt sich etwas. Weit verfehlt, denn die Vang Brüder setzen diese Töne auch ein, wenn sich ein Handydisplay rot färbt. Das verleitet viel mehr zum Kopfschütteln als zum Gruseln und sorgt letztendlich auch dafür, dass kaum etwas memorables nach dem Abspann hängenbleibt. Bedeviled ist eine generische Geisterbahnfahrt die lediglich für einen kurzen Spuk etwas taugt und nebenbei einen äußerst interessanten Antagonistenansatz verbaut. Die Idee persönliche Ängste zu personifizieren ist gewiss nicht neu, vom Make-up und dem Creature Design jedoch wirklich sehenswert, was das Endergebnis nur noch unbefriedigender macht. Hier wurde eine interessante Idee für die Massentauglichkeit geopfert und mit furchtbaren bis soliden Darstellern besetzt. Ein Horrorfilm zeichnet sich eben nicht mit seiner Dichte an lauten Tönen aus, sondern mit der Angst die bis in die tiefe Nacht getragen wird. Auf dieser Ebene versagt Bedeviled komplett, wird aber für den anspruchslosen Abend durchaus einige Freunde finden.

Bedeviled Cover Inglourious Filmgeeks

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