Black Mountain Side

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Regisseur Nick Szostakiwskyj ist mit seinem erst zweiten Langfilm ein Geheimtipp gelungen, dessen Wirkung sich besonders dann entfaltet, wenn man die klaren filmischen Vorbilder kennt, auf die er zurückgreift, um ein klaustrophobisches Horrorkammerspiel im eisigen Gebirge Kanadas aufzuziehen. Die erzählerische Lunte brennt schleichend ab.

Eine abgelegene Forschungsstation, die sich mit Ausgrabungen mysteriöser indianischer Steinformationen beschäftigt und nur via Funk spärlichen Kontakt zur Außenwelt hat, wird zum Schauplatz ominöser Entwicklungen. Die Ausgangslage und Konstellation der Männer zitiert ganz offensichtlich Carpenters Horrormeilenstein „The Thing“, die Inszenierung und Kameraarbeit orientieren sich in ihrer geduldigen Hinhaltetaktik an „The Shining“: Stimmungsvolle Landschaftsstandbilder etablieren zu Beginn die menschenfeindliche Umgebung und Abgelegenheit des Schauplatzes. Einblendungen der Tage nehmen eine grobe Überleitungsfunktion ein. Mit ruhig eingefangenen, langen Eindrücken und Einsprengseln fluider Steadycam-Sequenzen legt Szostakiwskyj die inszenatorische Schlinge an und zieht sie langsam zu.

Der meditativ-unbehagliche Sog kommt vor allem durch die ungeschönte, ohne filmische Schnörkel versehene Darstellung der Vorgänge auf – so spielt während des ganzen Films kein einziges Mal Musik, nur das ständige Rauschen des eisigen, arktischen Windes ist zu hören. Die Uneindeutigkeit zwischen okkulter, psychologischer oder viraler Ursache des Grauens weckt verblüffende Assoziationen mit der diesjährigen Horror-Überraschung „The Witch“. Wie „Black Mountain Side“ gänzlich ohne Suspense-Spitzen auskommt und die Erwartungen des Zuschauers durchkreuzt, ist eine beeindruckende Leistung.

Vor dem bitteren Schlussbild besteht die Gefahr, dass „Black Mountain Side“ das Interesse der meisten Zuschauer schon verloren hat. Szostakiwskyj setzt das Ende plötzlich an, ist nicht mehr Herr seines eigenen Drehbuches. Für wohlige Schauer wird „Black Mountain Side“ beim erfahrenen Genrepublikum gerade zur kalten Jahreszeit trotzdem sorgen.

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