Blood Rage

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Jedes Subgenre, das einmal eine Phase der Hochkonjunktur erlebte, bringt in der Peripherie seiner erfolgreichsten Vertreter eine Vielzahl von Epigonen, Abklatschen und billiger, auf die Assoziationen des Publikums mit bekannteren Streifen spekulierender Machwerke hervor. Das Slashergenre, mit dem wir uns im Rahmen dieser Themenwoche eingehender beschäftigen, stellt hier keine Ausnahme dar, nein, vielmehr ist es das Paradebeispiel für das profitorientierte Totreitreiten eines Trends und einer formelhaften Struktur (was vermutlich auch die Ursache seines – ungerechtfertigten – schlechten Rufs darstellt). Wenn man also, wie ich als kleiner Enthusiast es seit längerem tue, bewusst in diese Abgründe des Genres blickt, stößt man mitunter unweigerlich auf die bizarrste, eigenwilligste und cinematisch (vermeintlich) minderwertigste Exploitationkost, die, für den in den 80er Jahren blühenden Heimvideomarkt schnell heruntergekurbelt, schon längst vergessen ist. Umso mehr freut es mich, „Blood Rage“ hier präsentieren zu dürfen; selten ist mir ein derart skurriler Slasher untergekommen.

Vermischt mit einer Variation der im Horror archetypischen Zwillingsgeschichte „erzählt“ uns „Blood Rage“ von nichts neuem als der klassisch strukturierten Mordserie an zeitkolorierten Halbstarken. Erstaunlich ist jedoch, dass sich der bereits 1983 gedrehte aber erst vier Jahre später im großen Rahmen auf VHS erschienene Slasher nicht in jene die Figur des Killers betreffenden Konventionen fügen mag, denn der machetenschwingende Madman ist weder ein durch die narrative Strategie des Whodunit maskierter Protagonist, noch eine gesichtslose und ewig unbekannte Präsenz à la Michael Myers. Vielmehr spielt „Blood Rage“ von Anfang an mit offenen Karten und präsentiert uns frühzeitig, beinah freudig, die Identität des Killers. Was natürlich unweigerlich dazu führt, dass „Blood Rage“ nicht nur das mystische Gefühl der Bedrohung, sondern auch die Thrillerqualitäten fehlen; zum echten Geheimtipp wird der Film aber durch all das, womit er diese Absenzen wettmacht.

Den billigsten Ausläufern des Slasher-Hypes ist es gemein, dass sie häufig völlig freidrehen; auch „Blood Rage“ ist in allem derart überzeichnet, dass es eine heile Freude ist: Die Kills gehören mit zum blutigsten Räucherwerk der Achtziger, die Figuren und ihre Interaktionen lassen den Film wie eine Indie-Familienkomödie wirken und der Killer ist, ganz Freddy-Krueger-mäßig, nie um die ein oder andere Süffisanz verlegen. Hinzu kommt, dass in nur wenigen anderen Slashern alle Klischees der Dekade so bunt und deutlich hervortreten wie hier. Das wirkt keineswegs unfreiwillig; vielmehr laben sich die Macher genüßlich an ihrer Don’t-give-a-fuck-Mentalität und schaffen es dadurch, in aller Formelhaftigkeit eine gehörige Portion Idiosynkrasie (u. a. durch die schon erwähnte Zwillingsthematik und den grandiosen Soundtrack) zu schaffen; schon dreizehn Jahre vor „Scream“ wurde an Filmen wie „Blood Rage“ sichtbar, welch fruchtbaren Boden das Slashergenre für parodistische Tendenzen doch sein kann.

Empfehlenswert für Halloween weil: Low-Budget-Suburbiakomödie goes Gore-Flick. Mit einer Hemmschwelle auf der richtigen Höhe wird „Blood Rage“ zum stutzig machenden Potpourri für Slasherfreunde.

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