Bridge of Spies – Der Unterhändler

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Dass Steven Spielberg durchaus Begabung im Verfilmen solcher Geschehnisse hat steht spätestens seit dem großartigen „Lincoln“ außer Frage. Sein nächster Film „Bridge of Spies“ hingegen kommt deutlich schwächer daher. Weshalb erfahrt ihr in dieser Kritik.

Mit „Bridge of Spies“ widmet Steven Spielberg sich einmal mehr einem historischen Ereignis. Der Regisseur behandelt in seinem neusten Film einen Gefangenenaustausch zwischen den USA und der Sowjetunion zu Zeiten des Kalten Krieges. Die Geschichte, die Spielberg mit tollen, eleganten Sets und Kostümen, gelungener Musik und berühmten Darstellern umschmückt hat arbeitet dabei unverkennbar auf den Höhepunkt, nämlich jenen Gefangenenaustauch, hin. Dabei darf natürlich nicht das Pathos fehlen, welches jedes Mal, wenn Spielberg sich Historienkino widmet mit von der Partie ist und den ziemlich trockenen Stoff weniger zäh aussehen lassen soll. Doch im Gegensatz zu anderen Werken des Regisseurs unterstütz dieser keine moralische Botschaft, sondern verwandelt „Bridge of Spies“ in einen reinen Hollywoodfilm, dessen grobe Orientierungspunkte an wahren Begebenheiten einem Fan von geschichtlichem Kino sicherlich sauer aufstoßen werden. Zu viel Pathos an unangebrachten Stellen ruiniert die Glaubhaftigkeit von „Bridge of Spies“, und lässt den Film wie ein Spielberg-typisches Märchen wirken. Ein Märchen, in dem der Regisseur zudem darzubringen vergisst oder, und das wäre wesentlich schlimmer, bewusst eine differenzierte Betrachtung von den USA und der Sowjetunion vermeidet. So werden in diesem Film die Russen einmal mehr als eine böse, herzlose Nation dargestellt, Amerika hingegen als ein heroisches Land. Besonders gut lässt sich dies belegen anhand der Behandlungsweise der gefangenen Spione; während der amerikanische Pilot alle paar Stunden eine Folter über sich ergehen lassen muss wird der russische Spion am Morgen von den Amerikanern sanft geweckt. Ebenso lässt die Darstellung des Ostens zu wünschen übrig. Während die Vereinigten Staaten bunt und farbenfroh gezeigt werden, ist der Osten ein einziger grauer Batzen, denn, um es mit den Worten von Wolfgang M. Schmitt Junior auszudrücken, „wir alle wissen ja, dass die Kommunisten damals alle Farben aufgefressen haben.“.

Wie schon in „Lincoln“ mit Daniel Day-Lewis in der Hauptrolle setzt Spielberg auch in „Bridge of Spies“ auf großes Schauspielkino. Tom Hanks, hier der Protagonist, spielt sehr souverän auf, wobei es seinem Charakter deutlich an Tiefe mangelt. Generell lässt die Charakterzeichnung in „Bridge of Spies“ sehr zu wünschen übrig, und das wirft einmal mehr die Frage auf, wohin die Coen-Brüder, die hierzu das Drehbuch verfassen durften, gedanklich beim Schreiben der Rollen abgeschweift waren.

„Bridge of Spies“ ist, gemessen mit der Erwartungshaltung aufgrund des Casts und der Crew eine ziemliche Enttäuschung. Die mangelnde Tiefe des Gesamtwerks lässt sich leider doch schwer übersehen, sodass das finale Produkt ein absolut durchschnittlicher Film mit vielen Kanten und Ecken, jedoch ohne große künstlerisch wertvolle Aspekte ist.

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