Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück

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Auf dem Sundance-Festival wurde „Captain Fantastic“ bejubelt, bekam durchgehend gute Kritiken und wurde somit zu einem kleinen Geheimtipp. Wenn man den Abspann erreicht hat, wird einem auch sofort klar, warum Matt Ross Indie-Komödie so gut auf dem Sundance ankam. Es ist eine immer häufiger auftretende Sundanceschablone, die sich oftmals mit leichtem Feel-Good und Indiemucke ausdrückt. Captain Fantastic jedoch hat das Problem, dass er fast schon zu glücklich macht.

Die Kinder leben isoliert von der Außenwelt mit ihrem Vater in einem Wald, werden von ihm unterrichtet nach eigenem Bildungsstandard,  haben keine Erfahrung in Kontakt mit anderen Menschen oder dem anderen Geschlecht und bekommen die vaterverkörperte Idealvorstellung eines menschlichen Körpers eingetrichtert. Einzelne Momente des kritischen Hinterfragens gibt nur wenige, diese sind in ihrer Wirkung jedoch so abgeschwächt, dass sie weder in der Geschichte Auswirkungen haben, noch in unserem Kopf haften bleiben. In einer Szene trifft der Älteste Bo ein Mädchen auf einem Campingplatz, das sich durchaus für ihn interessiert und auch sexuelles Verlangen äußert. Er blamiert sich bei dem Mädchen bis auf die Knochen und die Inszenierung schreibt uns vor, dass wir darüber lachen sollen. Kritikerfiguren, wie beispielsweise Viggo Mortensens Schwester, werden als Antipathieträger degradiert, da sie offenkundig die Erziehung kritisieren. Dieser gesamter Schritt erwägt den Eindruck, dass ein Großteil der Zuschauer sich von dem großteils berieseln lassen und kaum hinterfragen, welche Auswirkungen auf die Entwicklung ein solch isoliertes Aufwachsen haben kann.

Doch einen gewissen Charme kann man „Captain Fantastic“ nicht abschreiben, gerade wenn die Ansichten der Waldkinder mit denen der Vorstadtkinder aufeinanderprallen oder wenn die Situationskomik sich immer wieder daraus ergibt, dass die Kinder eine Verachtung gegenüber denen haben die nicht ins Raster passen. Doch dort befindet man sich immer wieder im Zwiespalt, ob eine kritische Lösung der Misere nicht besser wäre, als eine oberflächliche Komödienberieselung. „Captain Fantastic“ ist ein Film der kleinen Einzelmomente und des Darstellers Viggo Mortensen, der hier eine wirklich tolle Leistung abliefert. Am Ende wirkt es fast so, als wolle Matt Ross einen kritischen Diskurs aufbereiten, der jedoch schneller verfliegt als er vorbereitet wird. Insgesamt wirkt es wie ein Unwetter aus dem gelegentlich kleine Lichtstrahlen auf die Erde prasseln. Hier prasselt leider auch jede Menge verschenktes Potenzial auf den Zuschauer ein, der die Message „Die Gesellschaft ist dumm“ seit Fight Club im Kopf hat. Bei weitem kein schlechter Film, jedoch nur die aufgewärmte Indie-Suppe die wir seit Jahren zu fressen bekommen.

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