Colonia Dignidad

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„Colonia Dignidad“ ist ein wichtiger Film für Deutschland. Denn wie immer wieder klar wird, hat die Bundesrepublik in Sachen Aufarbeitung dunkler Kapitel der jüngeren Geschichte nicht nur gute Arbeit geleistet. Das fängt beim Völkermord an den Herero in den afrikanischen Kolonien zu Anfang des 20. Jahrhunderts an, der bis heute mit fadenscheinigen Begründungen beiseitegeschoben wird, und hört bei der sogenannten titelgebenden „Colonia Dignidad“ auf, einer fundamentalistisch christlichen Sekte, die in den 70er Jahren mit dem diktatorischen Pinochet-Regime in Chile kooperierte und als eine Art Folterzentrum fungierte, alles beobachtet und protegiert von den örtlichen diplomatischen Vertretern Deutschlands.

Doch ist es auch ein guter Film? Bei einem Blick auf dem Vorspann wird klar, dass es sich hier um eine weitere, von unzähligen Fernsehsendern und Filmförderanstalten getragene Produktion handelt, was auch die hochkarätige Besetzung erklärt: Daniel Brühl, der an der Schwelle zum endgültigen Hollywood-Durchbruch steht, sowie mit Emma Watson und Mikael Nyqvist zwei international bekannte und renommierte Akteure, die ihre Sache sicher gut machen. Lediglich Brühl und sein relativ flaches (und mit einem Blick auf seine Filmographie: wiederkehrendes) Spiel kommt wenig zur Geltung, Nyqvist jedoch kann als perfid-faschistischer Sektenführer überzeugen.

Die Handlung hingegen ist stark konsensorientiert – das Reißbrett lässt grüßen -, was auf lange Sicht zwar zu einer leichten Spannungssteigerung führt, aber auch der „Substanz“ des Filmes schadet – die Colonia wird die Kulisse eines Thrillers voller zweifelhafter dramaturgischer Spielereien, welcher jedoch den historischen Boden unter den Füßen verliert, was gerade in Anbetracht der Frische des geschichtlichen Sujets schade ist. Dabei fängt „Colonia Dignidad“ gut an, Florian Gallenberger („John Rabe“), geht in medias res. Das studentische Milieu in der noch jungen Demokratie Chile, sowie die beiden Hauptfiguren Lena und Daniel werden rasch etabliert, ebenso wie die Unruhe des alles umstürzenden Putsches.

Sind die Protagonisten jedoch erst einmal in der Colonia, „verflacht“ das Geschehen, statt echten Psychoterror und gnadenlose Inszenierung gibt es die bekannte, seichte Spannung. Ein Film, bei dem die Kostümbildner und so mancher Nebendarsteller beim Aufzeigen des monotonen Alltags im Lager ganze Arbeit geleistet haben, die Regie allerdings etwas zu zaghaft ausfällt. So ist „Colonia Dignidad“ ein Film, der nicht unbedingt wegen seiner filmischen Klasse, sondern wegen der Behandlung eines tabuisierten Themas in Erinnerung bleibt und hoffentlich einige Zuschauer zum Nachdenken anregen kann.

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