Das Dschungelbuch

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Walt Disneys letzte Eigenhandschrift „Das Dschungelbuch“ ist bis heute der am meisten besuchte Kinofilm in Deutschland. Doch macht ihn das gleichzeitig zu dem besten Film aller Zeiten?

Die Geschichte über das Menschenkind Mogli, welches im indischen Dschungel bei einer Wolfsfamilie aufwächst und im Alter von zehn Jahren mit dem menschenhassenden Tiger Shir Khan konfrontiert wird, ist jedem bekannt. Die Freundschaft zwischen dem Jungen und seinem antiautoritären Muntermacher Balu der Bär gewann dabei besonders an Kult. Deren Chemie verliert zu keinem Zeitpunkt der Geschehnisse ihre Authentizität. Zugleich ist das Lied „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ mit einem Hauch von Leichtsinnigkeit, doch rechtplatziertem Herzen veranlagt. Allgemein ist die musikalische Untermalung grandios. Der gesamte Soundtrack, allen voran die Ouvertüre, bettet den Zuschauer gekonnt in die mystische Atmosphäre des Dschungels ein und dringt trotz der oft heiteren Liedtexte wiederholt durch, beispielsweise bei King Louies Selbstoffenbarung „Ich wäre gern wie Du“. Von all den Liedern ist es besonders dieses, das speziell für den Film am wichtigsten ist, da es schließlich Moglis finale Wehr gegen Shir Khan anschweift und die Einzigartigkeit des Menschen genialerweise mit dem Feuer symbolisiert. Dadurch wird der Mensch ein weiteres Mal im Film -diesmal eher indirekt- als Zerstörer charakterisiert, nachdem schon zuvor Shir Khans Menschenhass auf Feuer- und Schusswaffen zurückzuführen war.

Die Tiere in „Das Dschungelbuch“ bilden selbstverständlich trotz der vorherrschenden Anarchie eine gewisse soziale Ordnung, die mit viel Sympathie und Scharm besonders die jungen Zuschauer über Solidarität und Freundschaft, aber auch Gleichwertigkeit und Unrecht aufklären. Parallel wird die Nahrungskette gesellschaftskritisch, dennoch etwas inkonsequent interpretiert. Dabei liegt der Schlüssel der gesamten Erzählung in der Schlichtheit, die Sachverhalte nicht zu verkomplizieren und sie für alle Altersgruppen zugänglich zu machen.

Die fantasievolle Buchverfilmung der gleichnamigen Vorlage von Rudyard Kipling aus dem Jahr 1894 ist bis heute ein unerreichter Meilenstein des Familienkinos. Seine Magie liegt in seiner mystischen, beinahe surrealen Atmosphäre und den herzlichen Karikaturen, die allesamt mit unvergesslichen Charakteren geschmückt sind. Obendrein ist der Ausklang der Geschichte ebenso simpel wie nahekommend: Zuhause ist dort, wo es am schönsten ist.

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