Das Wort zum Ostersonntag: Kino im biblischen Ausmaße

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Im Zuge der christlichen Osterfeiertage kommt man kaum an den zahlreichen Bibelfilmen der Kino- und Fernsehprogramme vorbei. Jedes Jahr sind namenhafte Monumentalwerke, Satiren oder neuzeitige Blockbuster aufzufinden. Allen voran das dreieinhalbstündige Sandalen-Epos Ben Hur flimmert alle Jahre wieder über die Bildschirme. Doch wie kommt es, dass Noah, Moses oder Jesus wiederholend den Weg zur Leinwand finden und dabei oft auf großen Erfolg stoßen?

Die Geschichte der Bibelfilme fängt mit einfachen Stummfilmen an. Damals war es noch ein einfaches Verfahren die Zuschauer mit zugänglichen Themen anzulocken und einen Kinofilm dadurch attraktiver zu machen. Die damalige Stummfilmfassung von Cecil B. DeMilles Die zehn Gebote aus dem Jahre 1923 zeigte schon in Hollywoods Blütezeit großen Ansturm bei Bibelfilmen. Besonders die bildgewaltigen Monumentalfilme der Fünfzigerjahre brachten das Genre zu seinem Höhepunkt. Quo Vadis, DeMilles eigenhändige Neuverfilmung von Die zehn Gebote und der elffache Oscargewinner Ben Hur waren zugleich die erfolgreichsten Spielfilme ihres Erscheinungsjahres. Doch fällt besonders beim letzteren die aufgezwungene Theologie auf, die den Handlungsverlauf als einziges zu einem Happy End münden lässt. Dieses Verfahren ist der Kern so ziemlich jedes Bibelfilmes.

Die Aussage, dass Gottes Wille der einzig durchsetzungsfähige ist, spaltet das Publikum in vielerlei Maßen. Eine individuelle Existenz ist dadurch mal mehr und mal weniger in Frage gestellt. Martin Scorsese behandelt diesen Gedanken in Die letzte Versuchung Christi ebenfalls, welcher jedoch von Seiten der evangelischen Kirche als “blasphemisch” beschimpft wurde. Dabei ist das unkonventionelle Ende eine überaus spielreiche Alternative der Bibelerzählung und schafft dadurch vollkommen neue Interpretationen, besonders in Hinsicht auf den thematisierten Individualismus in der Bibel. Doch einen solch künstlerischen Wert sucht man in den meisten Werken dieser Abteilung vergebens. Einzig die Bibelparodie Das Leben des Brian wirft ein nie dagewesenes Licht auf die Geschichte von Jesus, auch wenn diese in Monty Pythons Komödie bitterböse durch den Kakao gezogen wird. Der Individualismus wird trotz alledem gekonnt behandelt und treffend mit folgenden Worten auf den Punkt gebracht: “Ihr braucht niemandem zu folgen. Ihr seid alle Individuen. […] Lasst euch von niemanden sagen, was ihr zu tun habt.”

Die heutige Nachfrage an Bibelverfilmungen ist deutlich geringer als zu Zeiten Ben Hurs. Ein dadurch bedingtes Feuerwerk der Computereffekte scheint den gegenwärtigen Filmemachern in Folge dessen ein erzwungenes Muss für ein vernünftiges Einspielergebnis zu sein. Der 3D-Zuschlag ist selbstverständlich mit enthalten. Kein Wunder (Gottes) also, dass -auf Action beschränkte- Blockbuster-Spektakel wie Darren Aronofskys Noah oder Ridley Scotts Exodus: Götter und Könige beide Male Kassenerfolge waren, vermutlich auch aufgrund ihrer namenhaften Besetzungen (u.a. Russell Crowe als Noah; Christian Bale als Moses).

Hat sich aber die Intention dieses Genres im Laufe der Filmhistorie geändert? Im Grunde genommen hatte dieses Genre nur im Ausnahmefall künstlerische Auseinandersetzungen und wird im Normalfall nur als Geldmaschinerie benutzt. Selbst ein so aussagekräftiger Film wie Ben Hur muss mit aufgezwungenen Parallelen zur Jesusgeschichte geschmückt werden – eventuell auch als Sicherheit gegenüber den damals enormen Produktionskosten. Bibelfilme bleiben nichts anderes als kapitalistische Produktionen, die in den seltensten Fällen künstlerischen Wert besitzen.

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