Deadly Home

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Anna leidet an Agoraphobie, der Angst vor großen Plätzen und Menschenmengen. Ihr ist es somit unmöglich, das eigene Haus zu verlassen (ohne sofort von schierer Panik gelähmt zu werden), welches sie nach dem Krebstod ihres Bruders allein bewohnt. Lange bleibt das aber nicht so. Drei junge Einbrecher dringen in das imposante Anwesen ein, um an das dort gelagerte Bargeld zu gelangen. Aufgrund ihrer Psychose ist Anna ihnen ohne Möglichkeit zur Flucht ausgeliefert, aber sie weiß sich zu wehren; bald verschwimmen die Grenzen und aus Jägern werden Gejagte…

Was sich nach handelsüblicher Home Invasion-Kost, seit „The Strangers“ (2008) ja wieder äußerst populär, anhört und auch so beginnt, entpuppt sich nach und nach als handwerklich grundsolider Direct-to-DVD-Thriller, in dem besonders die Hauptakteurin überzeugt: Beth Riesgraf überragt als geworfene und versunkene Frau in Schwarz ihre männlichen Gegenparts – welche alle zwar annehmbar die typische Bösewicht-Nummer herunterkurbeln, aber leider nichts Außergewöhnliches zu bieten haben. Riesgrafs Spiel fällt dabei ungewöhnlich nuanciert aus, angenehm, herrschen doch im Low-Budget-Bereich oft platt-plakative Darstellungen vor.

Adam Schindlers Langfilmdebüt weist eine ansprechende Prämisse auf. Agoraphobie, ein frisches Thema, was in „Deadly Home“ aber leider nicht ganz ausgereizt wird. Die Ängste der Hauptfigur werden für den Zuschauer nie wirklich erfahrbar und so erscheint dieses Element als bloße Anlaufkurbel für den Plot. Dieser fällt allerdings umso besser aus. Die Wendung im 2. Akt überrascht, lässt aber dennoch noch genug im Unklaren, um bis zur Auflösung bei der Stange zu halten, allerlei innovative Elemente sorgen für spannende Momente in Annas imposanten, neuenglischen Haus, das zum tödlichen Labyrinth für jedermann werden kann.

Das Drehbuch, verfasst von T. J. Cimfel und David White, welche vorher u. a. für „V/H/S Viral“ das Segment „Vicious Circles“ schrieben, ist letzten Endes aber nicht konsequent genug. Die oben genannte Auflösung fällt ernüchternd aus, vieles läuft ins Leere und nutzt sich ab. Wie so oft sind manche Handlungen der Figuren nicht nachvollziehbar, wodurch die Freude am netten Twist getrübt wird.

Trotz alledem gelingt es der Regie, für diese Fehler weitgehend zu entschädigen und ein respektables Psycho-Kammerspiel – der Cast setzt sich nur aus sieben Personen zusammen – zu erzeugen, das ein subtil orchestraler Score begleitet. „Deadly Home“ endet auf angenehme Weise mit einer feministischen Note, die die Geschichte über Traumabewältigung abrundet. Gewiss kein perfekter Film mit einigen Mängeln. Dennoch ein erfrischender, in seiner Nische überdurchschnittlicher Streifen.

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