Der letzte Wolf

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Der Roman „Der Zorn der Wölfe“ verkaufte sich bei dessen Veröffentlichung wie warme Semmel. Einige Jahre später erscheint nun die Verfilmung des Bestsellers unter leicht abgewandeltem Titel.

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„Der letzte Wolf“ ist ein Film, bei dem es schwer fällt die richtigen Worte für das eben gesehene zu finden. Wie beschreibt man einen derart verachtenswerten, ekelhafte Ansicht propagierenden Film am besten? Wie erläutert man die Hetze, die dieser Film allem Anschein nach zu betreiben scheint in konstruktiver Kritik?

Ein schwerer Patient. Ein sehr schwerer sogar, von dessen sehr gelungenen Landschaftsaufnahmen und dem an sich harmonisch-schönen, epischen Soundtrack man sich keinesfalls täuschen lassen sollte. Denn das entscheidende bei einem Film ist das, was hinter der Fassade steckt. Im Falle von „Der letzte Wolf“ eine undifferenzierte Geschichte über das Verhältnis von Mensch zu Wolf, bei dem letzterer als der böse, der Mensch als der Gute abgestempelt wird. Der Wolf, so behauptet es der Film von Regisseur Jean-Jacques Annaud, ist ein herz- und gewissenloser Killer, der nicht nur zum Überleben sondern zugleich aus Mordlust heraus tötet. Als dann auch noch der Protagonist ein Wolfsjunges adoptiert und selbst felsenfest davon überzeugt ist, dass es ihm gehöre, ja sogar dass er dem kleinen Wolf „diene“ und nicht umgekehrt, verliert „Der letzte Wolf“ auch noch das letzte bisschen Boden unter den Füßen. Die letzten Zweifel, die letzten Hoffnungen des Zuschauers, dass es sich bei dieser propagierten Weltanschauung des Filmes doch um eine Satire handele verschwinden. An ihre Stelle tritt nun Abscheu, während man Hetzjagden nach Wölfen und das Abschlachten derer in dem Namen eines Gottes präsentiert bekommt. Untermalt und glorifiziert wird das ganze bedauerlicherweise von dem Soundtrack eines James Horners, der seine Komposition so sicherlich nicht eingesetzt sehen wollte. Darüber hinaus versucht „Der letzte Wolf“ allerdings auch hin und wieder, von dieser Linie abzuweichen, indem er zwar die Spezies Wolf als böse darstellt, ein einzelnes Individuum in Form des oben genannten Wolfsjungen hingegen nicht. Im Grunde kehrte man hier Spielbergs Grundsätze in „Der weiße Hai“ um, nach denen er lediglich ein Tier als Killer und die Spezies an sich nicht näher thematisiert, auch wenn jener Film von vielen Zuschauern wohl missverstanden wurde. Aber genau das ist das Problem von „Der letzte Wolf“: sich als schönes, emotionales Drama verkaufen zu wollen und dabei über eine Spezies herzuziehen, ohne dabei ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Somit ist dieser Film sogar noch weniger als ein schlechter Film, er ist einer der wenigen Streifen, die wirklich hassenswert sind, und bei dem jeder Freund der Natur und des Lebens sein Frühstück am liebsten wieder in hohem Bogen herausspeien würde.

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