Der Todesmutige

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Eine Gruppe Elfenbeinjäger trifft auf der Suche nach Beute auf einen Stamm Ureinwohner. Mit wenig Respekt behandeln die Jäger die Einheimischen und deren Gebiet – ein großer Fehler. Die Einheimischen stutzen die sich als Eroberer aufspielenden Weißen ziemlich schnell zurecht. Sie reißen die Menschen, die glauben eine Rasse von höherem Wert zu sein auf den Boden der Tatsachen zurück, auf dem es heißt; unser Gebiet, unsere Regeln. Als diese sich wehren, eskaliert der Konflikt. Beinahe die gesamte Gruppe Jäger wird getötet – lediglich ein einziger entkommt und rennt nun um sein Leben.

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©Pidax

Kahle Steppe, ein paar vereinzelte Bäume stehen in der Ferne. Trommelwirbel unterstreicht die brühende Hitze, der der namenlose Protagonist, hervorragend gespielt von Cornel Wilde, ausgesetzt ist. Im Hintergrund sind Verfolger auszumachen. Einer der Truppe kommt stetig näher. Ein Schrei – der Verfolger stürzt nach einem kurzen Handgemenge mit dem Flüchtigen tödlich verwundet zu Boden. Dieser Schrei wird so ziemlich das letzte sein, was der Zuschauer während des Filmes zu hören bekommt, denn fortan herrscht bedrückende Stille. „Der Todesmutige“ belässt es dabei, ein mörderisch-spannendes Survival-Drama ohne Dialog, dafür mit einer herrlichen, naturell-afrikanischen Soundkulisse zu sein. Ein bombastischer Schachzug im Drehbuch, denn so spürt selbst der sich im Wohnzimmer sicher wiegende Zuschauer die Landschaft, die Natur und die Gefahren in Form von Tieren und seinen Verfolgern. Das Wasser erscheint tatsächlich nass, das Feuer tatsächlich heiß.

Gefühlt jede Minute verändert sich die Temperatur im Raum rapide. Dafür ist neben dem schlicht gehaltenen Soundtrack und den Toneffekten die hervorragende Kameraarbeit verantwortlich, die die Bilder der Sahara brutal und ungeschönt einfängt. Es ist faszinierend, was „Der Todesmutige“ aus seinem doch recht bescheidenen Budget von gerade einmal 900.000 US-Dollars gemacht hat, den Authentizität und Gigantismus findet man zu genüge. Eine Besonderheit an Cornel Wildes Film ist, neben der wahrhaft perfekten Inszenierung, die Art, wie er den Konflikt zwischen den verschiedenen Kulturen der Figuren darstellt. „Der Todesmutige“ differenziert, beschränkt sich nicht auf die allseits beliebte gut-böse Konstellation, sondern macht dem Zuschauer die Motive beider Seiten begreiflich, und wird zum Ende hin, wenn der Protagonist zufällig auf ein kleines Kind trifft, überraschend menschlich und emotional, was möglicherweise auch der ausschlaggebende Grund für die Drehbuchnominierung bei den Oscars war. Die Dialoge waren es jedenfalls nicht.

Cornel Wilde, der sowohl als Hautdarsteller wie auch als Regisseur agierte, schuf mit „Der Todesmutige“ ein absolutes Highlight des Abenteuerkinos der 60er Jahre. Ein Film, der heute leider gänzlich in Vergessenheit geraten ist, und nun hoffentlich aufgrund der Neuveröffentlichung des Verleihers Pidax die ihm gebührende Aufmerksamkeit und Anerkennung erhält.