Dheepan – Dämonen und Wunder

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In Zeiten des Flüchtlingsstromes können Filme wie “Dheepan” nicht aktueller und aufklärender sein, auch wenn man anfangs zurecht spekulieren darf, dass der Film seine hochlobende Auszeichnung nur aufgrund seiner politischen Brisanz bekommen hat. Bei oberflächlicher Betrachtung ist es leicht zu vermuten, Aktualität würde als Deckmantel für eine schwache Geschichte fungieren. Wir verfolgen das Trio Dheepan, Yalini und Illoyal, die aus Sri Lanka fliehen, um in Frankreich ein neues Leben starten zu können. Um die Asylchancen zu verbessern geben sie sich als eine Familie aus, stellen jedoch schnell fest, dass die Spirale der Gewalt und Intoleranz auch in ihrem neuen Heimatland allgegenwärtig ist.

Dabei setzt Regisseur Jacques Audiard auf unbekannte Darsteller und inszeniert sein Drama in einem authentisch dokumentarischen Stil, wenn am Anfang der Integrationsprozess des Trios aufgezeigt wird, der sich schwieriger als gedacht herausstellt. Der Beruf als Hausmeister ist schwierig mit erheblicher Sprachbarrikade, die Schulklasse ist unangenehm und verstärkt den Gedanken, lieber nicht an Sprachkursen teilzunehmen und das (Über-)Leben in einem Milieu, dass dem heimatlichen Umständen kaum abweicht. Die inszenatorischen Mittel, auf die Audiard zurückgreift, gelten der Klischeekiste. Aus dem puren Pessimismus entspringt eine Liebesgeschichte, der Film wird auf das Trio reduziert, indem nur auf deren Ereignisse eingegangen wird, als würde ein jeder Flüchtling in die Dreckkiste greifen. An sich ist diese Zentrierung jedoch nicht schlimm, nur gelingt es den Film mit einer entsprechenden Konsequenz darzustellen. Zärtlichkeit und Intimität wirken aufgesetzt, die emotionale Wucht dieser tragischen Liebe muss sich gegen deplatzierte Szenen wehren, tolle Schauspiel sich mit generischen Dialogen in Einklang bringen.

Gerade im unerwarteten Gewaltausbruch im Finale gelingt es, den Zuschauer einzuhüllen, ihn intensiv zu fesseln und auch mit der letzten Einstellung, die sowohl Verzweiflung und Geborgenheit reflektiert vorzuhalten, dass “Dheepan” in seinen stärksten Momenten wirklich toll ist, gleich der schauspielerischen Leistung von Jesuthasan Antonythasan. Wenn jedoch Banlieue und Sri Lanka gleichgesetzt wird, Audiard auf konventionelle Dramaturgie zurückgreift und seine Bindung des Trios beinahe schon mit dem Vorschlaghammer in den Zuschauer prügeln will, erinnert “Dheepan” fast schon an plakativem Betroffenheitskino, bei dem man sich selbst als Zuschauer schon einreden muss, dass nicht jeder Flüchtling so viel Pech haben kann. Letztendlich muss man leider zu dem Entschluss komm, dass “Dheepan” wohl nur aufgrund politischer Brisanz mit der goldenen Palme geehrt wurde. Die damalige Konkurrenz bestehend aus The Lobstet, Son of Saul, Carol, Macbeth etc. war einfach besser.

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