Don’t Knock Twice

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Es ist eine Urban-Legend in Don’t Knock Twice, dass wenn man zwei Mal an der alten Eingangstür von Mary Aminov klopft von ihr heimgesucht wird. Mary wurde als Hexe beschuldigt und ihr wurden Kindermorde angehängt, worauf sie sich das Leben nahm. Diese Ausgangslage bietet eigentlich ein gutes Fundament für einen spannenden und spaßigen Horrorfilm. So könnte man es zumindest meinen, auch wenn sich hier ganz schnell blankes Ernüchtern einstellt. Denn guten Horror findet man in Don’t Knock Twice leider nicht.

Gibt es eigentlich jemanden, der die Geisterbahnen auf dem Rummel nicht kennt? Entweder läuft man durch ein schauriges Labyrinth voller Pop-Up-Scares oder sitzt in einer Art Bahn und wird durch die verschiedensten Ecken eines verfluchten Hauses kutschiert. Genau so unspektakulär wird auch Don’t Knock Twice in Szene gesetzt, obwohl sich die Düsternis in den ersten 10 Minuten wirklich angenehme anfühlt. Es beginnt mit einer Mutprobe an dem antiken Türklopfer des Hauses an der Schnellstraße. Eine morsche Holztür öffnet ihre Pforten zum Beweis zwischen Jugendlichen. Bedächtig wird der Klopfer zwei Mal leicht geschwungen und versetzt das Haus in ein Beben.

Und direkt danach gibt es einen Fake-Scare aus der Mottenkiste. Regisseur Caradog James weiß leider überhaupt nicht wie er seinen Film inszenieren soll und schafft es kaum effektiv mit einem Spannungsbogen umzugehen. Wann immer es eine intensive Szene geben könnte, die sich mit ruhender Bedächtigkeit ankündigt, erläutert meist die Musik, dass etwas gruseliges passieren wird. Dieses Schreckensereignis erfolgt dann immer mit einem generischem Schocker. In zwei besonders schlimmen Momenten wird der Geisterbahn Pop-Up Effekt sogar 1:1 adaptiert. Damit dümpelt Don’t Knock Twice so vor sich hin und kann nur gelegentlich mit Spannung überzeugen. Doch anstatt eben eine Urban-Legend direkt zu verfilmen, möchte James direkt ein Familiendrama als Konglomerat anfertigen.

Don't Knock Twice Kritik

Jess musste ihr Kind Chloe aufgrund einer Drogenabhängigkeit in ein Heim geben, doch als Chloe vom bösen Geist der Baba Yaga heimgesucht wird, entschließt sie sich zu ihrer Mutter zurückzukehren. Doch es kommt auch dort immer wieder zu Konfrontationen und Gespräche über ihre dysfunktionale Vergangenheit. An sich ist dieses Vorhaben kein Schlechtes, doch in einem Horrorfilm in dem die Charaktere eigentlich ohnehin schon kaum interessant sind abseits des Duos bremst das das Geschehen nur unnötig aus. Die Darstellerleistungen sind zufriedenstellend und auch neben Katee Sackhoff und Lucy Boynton gibt es einige Lichtblicke. Das Creature-Design ist ästhetisch, die Kostüme hochwertig und das Design des verfluchten Hauses ist atmosphärisch.

Es ist nur schade, dass abseits davon nichts im Kopf bleibt und Don’t Knock Twice im letzten Drittel sogar noch eine komplett krude Kehrtwende vollzieht. Ohne zu viel verraten zu wollen, aber die Mischung aus Ermittlerfilm und fiesem Twist am Ende passt überhaupt nicht zum Ton des gesamten Filmes. So haben wir 93 generische Minuten, die man absolut nicht verschwenden muss. Der Trailer zeigt bereits alle spannenden Szenen und wer ohnehin keine Lust hat auf eine hohe Abfolge von weniger überzeugenden Jump-Scares ist vielleicht in der Rummelgeisterbahn besser aufgehoben. Denn da sind es immerhin nur 3-5 Minuten.

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Die Bildrechte obliegen dem Verleih ©Splendid Film