Exposed – Blutige Offenbarung

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„Exposed“ ist das Regiedebüt von Gee Malik Linton, in den Credits wird er unter dem Pseudonym „Declan Dale“ genannt. Linton, der zuvor als Personal Trainer u. a. für „Spider-Man“ und „The Departed“ tätig war, hatte seinen Namen aufgrund nachträglicher Änderungen, die Lionsgate vor Release am Film vornahm, streichen lassen. So wurde Keanu Reeves Charakter im Schneideraum deutlicher hervorgehoben, aber auch der Titel geändert: „Exposed“ hieß zu Beginn noch „Daughter of God“. Rückblickend erklärt das einiges.

Denn „Exposed“ ist ein spiritueller Film, woraus er auch die ganze Zeit keinen Hehl macht; Newcomer Ana de Armas spielt Isabel, eine junge New Yorkerin hispanoamerikanischer Herkunft. Sie ist den kriminelleren Ghetto-Milieus nicht ganz unverbunden, lebt aber eigentlich ein ruhiges Leben als Erzieherin; sie wartet auf die Heimkehr ihre Freundes, der in Afghanistan stationiert ist, ihr Glaube ist ihr wichtig. Als Isabel eines Nachts eine Party vorzeitig verlässt, erscheint ihr in der vereinsamten U-Bahnstation eine Gestalt: ein Mann im Anzug, mit schneeweißer Haut, der über den Gleisen schwebt. Es wird kein Einzelfall bleiben, Isabel kann sich die Phänomene nur als Engelserscheinungen erklären; parallel dazu mehrt sich bei ihr der Verdacht, ein junges Mädchen aus ihrem Kindergarten könne zuhause regelmäßig missbraucht werden…

Zur selben Zeit ermittelt Detective Scott Galban im Fall seines ermordeten Partners. Das Aufwühlen der Vergangenheit wird dessen ohnehin zweifelhaften Ruf nicht gerade bessern.

Dass diese beiden Haupthandlungsstränge zusammenkommen müssen, dürfte von Anfang an klar sein. Keanu Reeves als Scott kann fernab von seinen Auf-die-Fresse-Rollen des Hollywoodstars in Rezession recycelnden Actiongenres Charakterspiel beweisen, das er durchaus beherrscht. Nur manchmal wirkt sein Ausdruck noch im Auftauen begriffen. Auch Amas empfiehlt sich mit einer (nur fast) zerbrechlichen Performance für eine größere Karriere – die beiden hatten schon in „Knock Knock“ auf etwas andere Weise zusammengearbeitet.

Auch wenn Reeves Part vom Studio vergrößert wurde, ist Isabel immer noch der eigentliche Hauptcharakter und Spiegelpunkt von „Exposed“, in dem die Handlung zusammenfließen soll – eine Handlung, die sich selbst über ganze 102 Minuten kaum zu entwickelt und doch ganz wo anders landet. Zu reichhaltig ist der Film, der seinen narrativen Fransen mit der Lupe nachgeht, um sie später sehr notdürftig zu glätten. Zynische Polizisten, unterminierte Familien die auseinanderdriften, Gangs und die Reibereien der Ethnien und Kinder; sie sind die stillsten, jedoch leiden sie am meisten in all der Sinnlosigkeit.

Wenn auch „Exposed“ durch den fehlenden erzählerischen Impuls an Kraft verliert, man möchte es ihm beinahe verzeihen. Das liegt nicht nur an der überraschend kinoreifen Optik des DTV-Thrillers; glaubt man Berichten, war „Daughter of God“ als überlange Noir-Fantasy-Vergewaltigungs-Rachedrama-Melange angelegt, die ein Zerrbild New Yorks malen sollte angelegt. Diesen filmgewordenen Größenwahn hätte ich nur allzu gern gesehen.

Für Gee Malik Linton kommt der Messias aus den Melting Pots. Er weiß nicht, ob wir ihr schüchternes Schicksal jemals kennen werden – „Exposed“ jedenfalls ist ihr gewöhnungsbedürftiges Evangelium.

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