Fan

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Populäres Kino par exellence aus Indien mit Shootingstar Shah Rukh Khan in zwei Hauptrollen – was taugt der Film über das dialektische Star-Fan-Verhältnis? Es ist faszinierend, wie sich das indische Kino entwickelt hat; wenn auch nicht ohne Wechselwirkung mit dem westlichen und besonders dem amerikanischen Film, aber doch in eine ganz andere Richtung – die Möglichkeit einer kulturellen Chaostheorie ist besonders in Bollywood zum Greifen nah. Da werden unsere Sehgewohnheiten stärker strapaziert als bei manchem Goreno, die indischen „Heile Welt“-Musicals werden als „Hm, wem’s halt gefällt“-Filme abgetan (den Indern geht es umgekehrt wahrscheinlich genauso: Als „Star Wars VII“ in Indien anlief, blieben die Kinosäle gähnend leer). Es ist fast so, als gäbe es ein kafkaeskes Gesetz in diesen Filmen, dem wir uns nicht nähern können.

Das Label „Rapid Eye Movies“ macht schon lange einen guten Job, uns dieses Kino verfügbar zu machen, und im Angesicht des Erscheinens von „Fan“, dem neuesten Shah Rukh Khan-Hit, könnte es sich für manche lohnen, den eigenen Snobismus zu überwinden. Viele Klischees werden nämlich nicht bestätigt. Erstmal wird – erfreulicherweise – nicht gesungen, der Film bleibt bei der Sache, kein Charakter stimmt plötzlich einen deplatzierten Singsang an. Ein anfangs noch heiteres Thrillerdrama wird auf optisch sehr wertige Weise erzählt, mit waghalsigen Action-/Parcoureinlagen, die in Hollywood auch nicht besser aussehen – und dabei hatte „Fan“ umgerechnet nur ein Budget von 13 Millionen Dollar zur Verfügung. Die Handlung um einen Fan, der seinem Idol, einem indischen Filmstar, sehr ähnlich sieht und seine Besessenheit immer weiter treibt, ist sehr simpel aufgebaut und „over the top“, anders scheint es nicht zu gehen.

Und obwohl alles so überdreht und quietschbunt ist, hält „Fan“ bei Laune, was nicht nur an den sehr aufwendigen Setpieces liegt: auch Shah Rukh Khan macht einen guten Job in einer einfach grandios getricksten Doppelrolle, die äußerst reflexiv seinen eigenen Status als Mega-Ikone der indischen Filmlandschaft verhandelt. Das dialektische Star-Fan-Verhältnis will der Film nicht recht auflösen – es gibt nichtmal ein Happy End. Leider steckt im Detail eine auf den zweiten Blick sehr offensichtliche Prüderie. Wer darüber hinwegsehen kann, sollte ins kalte Wasser springen, denn langweilen wird „Fan“ sicher nicht.

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Alle Bildrechte obliegen dem Verleih ©Rapid Eye Movies