Fences

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Fences scheint ein Film mit vielen Intentionen zu sein. Zum einen natürlich ist er ein Vehikel für seine Darsteller und klarer Oscarköder – die übliche „Formel“ ist hier beispielhaft sichtbar. Zum anderen ein Requiem für den erfolgreichen Broadway-Autor und zweifachen Pulitzer-Preisträger August Wilson, der 2005 starb und mit dem gleichnamigen Theaterstück die Grundlage für Denzel Washingtons mittlerweile dritte Regiearbeit lieferte. „Fences“ bleibt leider zu sehr in den ewigen amerikanischen Neurosen verwurzelt.

Troy Maxson (Washington) arbeitet im Pittsburgh der 50er Jahre als Müllmann und lebt mit seiner Familie – seiner Frau Rose (Viola Davis) und seinem Sohn Cory – in einem heruntergekommenen Haus, mitten in einer afroamerikanischen Vorstadtsiedlung. In seinen jüngeren Jahren hätte aus ihm ein vielversprechender Baseballspieler werden können, ein Traum, der ihm durch die damalige Rassendiskriminierung im Sport verwehrt blieb. Jetzt opfert er sich für seine Familie auf und hat seine früheren Ambitionen desillusioniert verworfen. Langsam werden Einzelheiten über Troys Vergangenheit und Familie offenbart, und eine Reihe von Ereignissen setzt den langsamen Verfall – mancher mag es bloße Veränderung nenne – in Gang, die alle auf Troy zurückgehen; so entspinnt sich die Charakterstudie eines einfachen Mannes, eine umfassende Seelendurchleuchtung mitsamt allen Schwächen, Verlogenheiten, und Konflikten, die sich besonders auf die nächste Generation auswirken.

Fences Szenenbild Inglourious Filmgeeks

Hat man sich ein wenig mit englischsprachiger Dramatik auseinandergesetzt, ist bald offensichtlich, auf welches Werk sich Fences epigonisch bezieht; es ist „Death of a Salesman“ von Arthur Miller, eines der einflussreichsten Stücke der jüngeren US-Literatur, und ist man sich dessen bewusst, verliert „Fences“ ein riesiges Stück Eigenständigkeit und Reiz. Troy Maxson ist ein zweiter Willy Loman, der durch sein Festhalten an überkommenen Prinzipien den Anschluss verliert und sich irgendwann ganz einsam in einer veränderten Welt wiederfindet, sogar von den eigenen Kindern zurückgelassen und von eigenen Fehlern zerfressen. Dabei entsteht ein zweischneidiger Eindruck: Denzel Washington zeichnet, weniger als Regisseur denn als Schauspieler, ein dichtes und umfangreiches Portrait, das uns den Mensch als eine ganz individuelle Sammlung seiner Geschichten verstehen lässt und fordert vor allem eins: Verständnis. Das hatte schon den Protagonisten bei Arthur Miller so interessant ambivalent werden lassen und verlieh dem Stück eine unangenehme Vieldeutigkeit. Washington gibt den stolzen wie abgründigen Jedermann so eindrucksvoll, dass er den ganzen Film zusammenhält und schon durch seine bloße Präsenz Momente puren Kinoglücks erschafft.

Reflektiert man jedoch Fences und sein Wesen einfaches Drama, das die Folgen des gescheiterten American Dream privatistisch behandelt abseits seiner inhaltlichen Ebene, zeigt sich das andere, leider sehr langweilige (so hässlich dieses Wort auch ist) Gesicht dieses Films. Nicht nur besteht die erste halbe Stunde aus beinah unerträglichem Geschnatter, man realisiert auch, dass uns hier nur Binsenweisheiten erneut vorgesetzt werden, und das auch noch absolut uninteressant und einfallslos inszeniert; ein filmgewordenes Theaterstück eben, das seinen Vorgänger ins afroamerikanische Milieu versetzt und sparsam mit einigen Problematiken jenes Umfeldes anreichert. Hinzu kommen fragwürdige Muster in der Entwicklung des Ehefrauencharakters – blass gespielt von Viola Davis; das hätten auch andere hingekriegt -, die zur stoischen Durchhalterin degradiert wird und nur einmal richtig ausbrechen darf, und selbst dann nur kurz und halbherzig.

Wie gesagt, ein zwiespältiger Film, dessen intensiven Momente einer zerbrechenden Familie so schnell verblassen wie sie entstanden sind. Zu schwer wiegt die Last, einen alten Stoff kopiert zu haben, Washingtons unkreative Regie schafft nur staubiges, sehr enges Kino.

Fences-Poster-Inglourious-Filmgeeks

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