Free State of Jones

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Matthew McConaughey hat in letzter Zeit oft bewiesen, dass er sich als starker Charakterdarsteller etabliert hat. Seine Fähigkeiten darf er auch im Film von Gary Ross unter Beweis stellen. Doch nicht nur das, „Free State of Jones“ lebt von ihm und wäre ohne seine Darstellung wahrscheinlich ohne Kinostart in Amerika irgendwo im Direct to DVD Sektor gelandet. Auf Basis von historischem Hintergrund spielt er den Sklavereigegner Newton Knight, der sich für die Gleichberechtigung der Schwarzen und gegen die Sezession einsetzt und nach einer gescheiterten Ehe eine Farmergemeinschaft unterschiedlicher Hautfarben ins Leben ruft, die gemeinsam im Bundesstaat Mississippi leben und gegen die Konföderation agieren. Um dies mitverfolgen zu können, braucht der Zuschauer allerdings jede Menge Sitzfleisch!

Schmeißt Regisseur Ross seinen Protagonisten anfangs noch in ein brutales Schlachtenszenario mit druckvoller Wirkung, verliert sich „Free State of Jones“ in einem Wirrwarr verschiedenster Zeitebenen und Dialogen. Dabei bleibt die Inszenierung zwar authentisch, das Historiendrama kann mit tollen Sets und Kostümen punkten und mit einem hervorragenden McConaughey, erzählt seine Geschichte dabei jedoch so trocken, dass man dies eher als ungelenktes Dahinplätschern wahrnimmt. Repetitiv häufen sich die Dialoge, bestehend aus Sklaverei, Gleichheit, der Motivation der Masse und der damit verbundenen Auflehnung gegen das damalige System, zu einem unspektakulären Klumpen an, bei dem die Liebesgeschichte eine wirklich stagnierende Keule mitschwingen lässt. Denn abseits seines tollem Hauptcharakters sind der Inszenierung seine anderen Charakter egal und werden nicht weiter beleuchtet. Eine Unvollkommenheit die sich auch durch den Szenenwechsel zieht. Immer wieder schafft Gary Ross es, erschütternde Szenen zu zeigen, die aufwühlen, nur um sich danach direkt wieder im Geschwafel zu verlieren.

„Free State of Jones“ bemüht sich leider viel zu sehr auf eine Rekonstruktion, anstatt sich auf die Mechaniken des Spielfilmes zu fokussieren. Im Gegenteil, kurzzeitig wartet man nur auf den dokumentarischen Off-Erzähler, der die Beweggründe genauer erörtert. Interessanterweise schafft das allerdings einen interessanten Kontrast zu anderen Historienfilmen. Die Genauigkeit mit der an den Stoff gegangen wird ist beachtlich, die Darstellung zeitgemäß und doch ohne richtige Elan um Faszination beim Zuschauer auszulösen! Es ist ein Scheitern, dass in tolle Bilder und Kostüme gepresst wird mit kurzzeitigem Herausbrechen aus der trockenen Fassade. Frustrierend und faszinierend zugleich. Doch man wird die Vorstellung nicht los, was aus diesem Film geworden wäre ohne seinem Hauptdarsteller. Vielleicht ein 138 minütiger Unterrichtsfilm für den Sezessionskrieg, vielleicht ein Film von ähnlicher Qualität. Fakt bleibt jedoch, dass etwas mehr Wucht und Vielfalt dem ganzen deutlich besser getan hätte, auch wenn gerade die tolle Ausstattung und die stellenweise gute Inszenierung das Gesamtpaket zumindest für ein einmaliges Sehen durchaus guckbar machen.

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