Green Room

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Seit Anfang April wird dieser amerikanische Indie-Psychothriller, der voriges Jahr in Cannes seine Premiere feierte, auf der Städtetour des Fantasy Filmfestes in verschiedensten deutschen Städten gezeigt, bis er am 2. Juni endlich regulär in den heimischen Kinos anläuft. Jeremy Saulnier hatte zuvor bereits durch „Blue Ruin“ einiges an Lorbeeren einheimsen können, auch mit „Green Room“ beweist er, dass er als eine der ganz großen Hoffnungen für das Thrillergenre gelten kann.

Eine vierköpfige, heruntergekommene Punkband tourt ziellos durch die USA, von einem Gig zum nächsten, bis sie nach einer Empfehlung eines Mittelsmannes in einer Bar voller Skinheads und Nazi-Punks landen, mitten im Nichts, tief in den Wäldern Oregons. Nach absolviertem Auftritt werden die Musiker im Backstagezimmer, dem besagten „Green Room“, Zeugen eines Mordes. Als gefährliche Mitwisser setzt man sie fest und versucht, sie unschädlich zu machen, während ihnen nichts anderes übrig bleibt, als sich zu verschanzen…

In den übersehenen ländlichen Räumen Amerikas, des Landes der ungesund-unbegrenzten Möglichkeiten, brütet die rechte Szene, hier angeführt von Patrick Stewart, nur einer unter vielen überzeugenden Akteuren im knallhart-fiesen Survivalthriller. Stewart, in einer angenehm anderen Rolle, spielt nicht den bedrohlichen, offensichtlich gestörten Psychopathen, sondern einen besonnen vorgehenden Leiter, und gerade durch diese beinahe bürokratische Routine erhält sein Charakter etwas äußerst kaltblütig-boshaftes.

Nur selten zeigt sich Gewalt auf der Leinwand so schmerzhaft: Während sich Saulnier und sein Kameramann Sean Porter behutsam und in grünstichigen Bildern durch die abgefuckten und trostlosen Interieurs tasten, wird eine perfide Bedrohung aufgebaut; eingeschlossen in einem durch und durch feindlichem Umfeld und in Unterzahl, die Eskalation der Gewalt lauert und wartet auf den richtigen Augenblick, im Hintergrund dröhnt das immer gleiche Hardcore-Gegröle, bis es losgeht – die Jagd auf die Band wird mit immer härteren Methoden geführt, Isolation und Grausamkeiten vermengen sich zu düsterer Anspannung, wohl dosierte Drastik macht das Geschehen umso unangenehmer. Dabei vermeidet es Saulnier gekonnt, ein empathieloses Splatterfest zu veranstalten.

So ein Film, der sich selbst die Beschränkung auf hauptsächlich einen Schauplatz auferlegt, steht und fällt selbstverständlich mit dem kreativen Ausnutzen der Möglichkeiten der Location. „Green Room“ gelingt das spielerisch und hält über seine perfekte Laufzeit von knapp über 90 Minuten bei der Stange, ohne jemals auf billige Tricks wie den „Deus ex Machina“ zurückzugreifen.

Dabei ist noch mehr geboten als eine dreckig-blutige Survivaltour, denn eine Fotographie, die glücklicherweise nicht eintönig von der Stange kommt und ästhetische Momente in all dem Geschehen findet, ernstgenommene Charaktere und zwischenmenschliche Augenblicke – die manchmal jedoch nerven und zu dick aufgetragen wirken – sorgen für bleibenden Eindruck von einem wunderbar mutigen Film, der nicht nur präzise und authentisch in seiner Darstellung konträrer Subkulturen, sondern auch hochspannend ist. Wer ein Freund der Abwechslung im gegenwärtigen, von Comic-Blockbustern verseuchten Kino ist, sollte einen Besuch in Erwägung ziehen, bevor dieses ungeschliffene und bei weitem nicht perfekte Thriller-Kleinod versandet und vergessen wird.

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