Green Room

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Nach seinem grandiosen „Blue Ruin“ landet Regisseur Jeremy Saulnier erneut einen Höhepunkt im Thrillergenre und zeigt wie unterkühltes Kino auszusehen hat. Dabei lernt man als Zuschauer, bevor es zur großen Eskalation kommt, die Charaktere kennen, begleitet sie auf ihrer Reise und bekommt deren Verzweiflung sichtlich ins Gesicht gebrannt. Abgeschieden von sämtlichen sozialen Netzwerken fungieren sie wie eine Familie und geben sich in ihrer Trostlosigkeit Halt, während sie von einem Freund einen Auftritt bekommen in ländlicher Ödnis, als „Aint Rights“ in einem Nazischuppen. Während des Auftritts brodelt die Stimmung langsam, als die ohnehin schon pöbelnden Freunde mit „Nazi Punks Fuck Off) weiterhin provoziert werden. Darin offenbart sich eine der größten Stärken des Filmes. Bis es zur großen Eskalation kommt spitzt sich die Bedrohlichkeit zu, das Verhalten der Veranstalter wird von Zeit zu Zeit merkwürdiger und der Katalysator ist ein einfacher banaler Grund, der aufgrund simpler menschlicher Vergesslichkeit angeschmissen wird. Die Banalität laugt den Zuschauer förmlich aus und Saulnier ist desinteressiert daran es ihm schmackhaft zu machen.

Anstatt sich mit expliziter Brutalität abzufeiern, zeigen die unterkühlten Bilder fast schon anteilnahmungslos inszenierte Gewalt. Ein einfacher Schritt, eine falsche Entscheidung kann das Leben kosten, ohne dass man musikalisch manipuliert und vorbereitet wird.  Jeremy Saulnier beweist erneut, dass er das perfekte Gespür für den Aufbau der Atmosphäre hat und diese eben nicht mit vorhersehbaren Jump Scares ausklingen lässt. Es ist eine Konsequenz die seinen Film beherrscht, eine scheußliche Routine die die Band zum bloßen Jagdgut verkommen lässt. In seinem Green Room verbarrikadiert sich nicht nur die Angst, sondern auch die Beziehungen der einzelnen Charaktere, die, wenn auch sehr oberflächlich, Tiefe bekommen und nicht als reine Schlachtobjekte fungieren. Auch der Exzess wird nicht als seelenloses Blutbad zum Selbstzweck gezeigt, sondern als schmerzvoller Überlebenskampf, bei dem es manchmal schwer fällt hinzusehen, gerade im Ansatz der Parteienzeichnung. Während die Identifikationsfiguren in monotonen Grünbildern der Aussichtslosigkeit entgegen blicken, koordiniert ein wirklich diabolischer Patrick Stewart die Tatortverpfuschung und den Angriff selbst, als wäre es ein alltägliches Konzept. Es ist die Sinnlosigkeit die uns in einen Zustand der Depression wirft, eine Konsequenz bis zur letzten Einstellung, die uns erschöpft wie einen Kampfhund, dem die Fleischeslust vergeht und der sich wehmütig neben sein totes Herrchen legt. „Green Room“ ist überragend perfides Terrorkino, das beweist wie stark und abwechslungsreich das Horror/Thrillergenre ist.

Ihr werdet definitiv noch keinen Film gesehen haben, der sich so destruktiv guckt wie „Green Room“. Er fordert dem Zuschauer viel ab und bleibt eines der Highlights in diesem Jahr. Allein deshalb lohnt sich der Blick an einem Abend an dem man die Geister vertreiben will. Diese muss man jedoch nicht vertreiben, denn die wahren Monster leben in uns Menschen.

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Alle Bilder obliegen dem Verleiher ©Universum Film