Halloween II

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Wo Zombie in Teil 1 noch eine ungewöhnliche Sichtweise auf Carpenters Originalfilm warf, distanziert er sich glücklicherweise komplett von dem Grundgerüst und entwirft sein eigenes Michael Myers Universum, in dem er nicht nur alle bisherigen Charaktergesetze bricht, sondern auch frei von irgendwelchen Einflüssen inszenieren durfte! Bei Tage wandert Michael durch die Wälder und bei Nacht wird er zu der maskierten Gestalt,  die seine Person reflektiert. Dr Loomis als das eigentlich Monster, das aus Michaels Gräueltaten grenzenlosen Profit scheffelt und auf die Familien der Opfer keinen Wert legt. Laurie ist derweil psychisch instabil und leidet sehr unter den Geschehnissen des vorherigen Jahres. Zombie inszeniert „Halloween II“ so ausgelassen wie noch keinen Film zuvor und spaltet sich nicht nur von John Carpenter ab, sondern auch von seinem Erstling. Er integriert eine ruhige Kamerafahrt, nimmt Abstand von billigen Schockeffekten und stellt mit Michael Myers einen Zwiespalt dar. Eigentlich stellt er mit seinem ersten Auftritt eine differenzierte Person dar, die nur zu dem animalischen Biest nach einer gewalttätigen Provokation wird. Aber auch hier darf Rob Zombie´s Ikone ohne Kompromisse wüten und agiert dabei äußerst deftig, welches die Kamera komplett einfängt. Die Gewalt ist spürbar durch das Sounddesign, lässt den Zuschauer erstarren und widert ihn an.

Aber gerade mit der zerbrechlichen Charakterdarstellung der Laurie Strode gelingt ihm das Ungewöhnliche. Durch visuelle Spielereien in den Visions/Traumsequenzen geht er über das übliche Horrorgeplänkel hinaus und verbessert seinen Film bis zum grenzgenialen Finale, in dem er alle Regeln bricht. Michael spricht plötzlich und befindet sich mit Laurie in einer surrealen Welt. Wenn dann „Love Hurts“ ertönt und sich die letzten Schlussbilder langsam senken steht fest, dass Rob Zombie mit seinem zweiten Film endlich einen unabhängigen Meilenstein setzt und kein Remake zeigt und auch gar nicht mehr mit Carpenters Ansichten des vermeintlich „stummen“ Killers verglichen werden möchte. Sein Halloweenkosmos ist eigenständig, bombastisch manifestiert, unvorstellbar düster, surreal und von animalischer Härte getrieben. Ein Meisterwerk in seinem Genre, ein Meilenstein für Rob Zombie und ein Meilenstein für Michael Myers! Zum Schluss wird man nicht mehr unterscheiden können, ob man in einem surrealen Traum gefangen ist oder die letzte Reise von ungewöhnlichen Geschwistern steckt. Man ist im Bilderrausch gefangen und kann nicht mehr ausbrechen. Love hurts, love burns!

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