Hercules

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Bereits in den ersten Minuten spaltet sich Hercules von der allgemeinen Erwartungshaltung der Zuschauer ab. Wo der Trailer noch große Action zwischen Monstern versprach, beschleunigt der Film diese Narration indem er nur einige Fragmente von der klassischen Heldensage darbietet. Danach ist Hercules ein gewöhnlicher Mann, über den große Geschichten erzählt werden, der jedoch wie ein Sterblicher mit einer Truppe durch die Gegend zieht und Sklaven befreit oder Aufträge annimmt. Gerade nach Renny Harlin´s Debakel “The Legend of Hercules” erwartet man knackiges Körperkino mit einem Hercules der ordentlich ans Werk darf. Eine große überlange Exposition gibt es nicht und so befindet man sich kurz nach Titeleinblendung im antiken Griechenland und darf sich an gut inszenierten Actionszenen ergötzen. Wenn Hercules dann (nur im Extended Cut) einen Gegner mit seiner Holzkeule in einer Baum schlägt, bekommt Man(n) genau das was man auch sehen möchte.

Kurzweiliges Fantasyactionkino, welches sich zwar nicht sonderlich von anderen mittelmäßigen Produktionen distanzieren kann, jedoch aufgrund seiner Kurzweiligkeit und seinem sympathisch aufgelegten Star Ensemble ordentlich Laune macht. Auch wenn die Geschichte nicht sonderlich originell ist und der Endtwist beinahe so alt ist wie das Kino selbst, garniert Regisseur Brett Ratner deftige harte Actionszenen (sogar auf Blut wurde nicht verzichtet) und große Schlachten. Aufgedunsen mit etwas Humor ist Hercules ein netter Film über klassische Heldensagen und einem Muskelbrocken der zwar kaum ein Übermensch ist, jedoch aufgrund seiner körperlichen Unterschiede deutlich stärker herüberkommt.

Ein Debakel ist Brett Ratner´s Hercules auf keinen Fall und kann mit gut gelaunten Stars, soliden Effekten und toller Action punkten. Schade nur, dass auf einige Sachen abseits der linearen Geschichte weniger eingegangen wird und sich die Inszenierung mit sturem Fokus von Actionszene zu Actionszene hangelt. Auch im Vergleich zu allen Aktionen vor dem Finale fällt dieses beinahe unspektakulär aus und enttäuscht ebenso wie der blasse Jon Hurt. Ansonsten könnte man noch so viel kritisieren, obwohl sich das nicht lohnen würde, denn Hercules will auch nicht mehr sein als kurzweiliges, launisches Actionkino und zumindest das Ziel erfüllt er mit Leichtigkeit. Ebenso ist es erfreulich, dass Paramount den Extended Cut in Deutschland veröffentlicht hat, der abseits von zusätzlicher Handlung auch Gewalt (Blut, Enthauptungen etc.) bietet. Hercules kann man sich angucken, muss man jedoch nicht. Für diejenigen die Renny Harlin´s Hercules-Variante ertragen mussten, ist dieser filmische Beitrag jedoch fast oscarwürdig!

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