Howl

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Ein aus Großbritannien stammender Ausflug in ein seit einiger Zeit ruhendes Genre: „Howl“ versucht sich an der klassischen Werwolf-Unterart des Horrorfilms und beginnt sogleich vielversprechend atmosphärisch. Der junge Schaffner Joe (Ed Speelers) beendet seine Schicht und erfährt, dass er die Stelle als Supervisor, auf die er sich beworben hatte, nicht bekommen hat; zu allem Überfluss wird er dann auch noch vom hochnäsigen Konkurrenten zu einer zusätzlichen Schicht im nächtlichen Überlandzug verdonnert, welche er mit der hübschen Ellen (Holly Wetson), auf die Joe ein Auge geworfen hat, antritt. Während der Zug durch die verregnete Nacht rast, kontrolliert er die Fahrkarten, wobei sich allerlei Reibereien mit den Fahrgästen ergeben; eine unfreundliche Geschäftsfrau, ein altes Ehepaar, eine zickige Teen-Göre, ein unscheinbarer Inder und ein souveräner Lebemann – alle Klischees sind schon da.

Schließlich bremst der Zug aprupt, der Zugführer will auf den Gleisen nach der Ursache sehen und kommt nicht mehr zurück. Die Zuginsassen werden unruhig, innere Spannungen ergeben sich. Joe versucht, die Lage unter Kontrolle zu halten, bis ein Heulen ertönt und mörderische, übermenschliche Bestien auf die Jagd gehen…

Die Abgeschiedenheit und Isolation der Location würde so viel Potential bieten, man denke nur an den Slasher-Klassiker „Monster im Nachtexpress“, und tatsächlich ist zu Anfang eine subtile Spannung spürbar, die an englische Gruselstücke erinnert, in Kombination mit den Gruppendynamiken eine Ausgangslage, die Lust auf mehr macht. Doch statt frischen Wind ins Fantasyhorror-Subgenre zu bringen und Subtilität mit einer geradlinigen Dramaturgie und dosiert eingesetzten Schockeffekten zu kombinieren, gelingt es Regisseur und Drehbuchautoren nicht, stringente Absichten zu verfolgen. Manches wird angerissen und bald wieder fallengelassen, die Handlungen der Charaktere, welche – außer Joe, dessen Unglück über das Gefangensein im eigentlich gehassten aber notwendigen Job Speelers erfahrbar macht – allesamt dümmlich und unglaubwürdig wirken, werden zum bloßen Herumirren von einer Gefahrensituation zur nächsten, das maue und eintönige Sounddesign trägt seinen Teil dazu bei, dass „Howl“ nie ganz die Wirkung entfaltet, die Filme dieser Art nötig haben.

Paul Hyetts Interpretation der zum klassischen Horrorrepertoire gehörenden Figur des Werwolfs kann sich zwar sehen lassen, Make-Up (Hyett gestaltete zuvor u. a. die Effekte für „The Descent“)  und wohl dosierte Computereffekte ergänzen sich und kreieren kreativ-furchteinflößende Bestien, von denen die Kamera aber doch etwas weniger fasziniert hätte sein sollen. Gegen Ende wird dann ein äußerst plakatives Effektspektakel entfacht, das oft lächerlich wirkt und durch ein erzwungenes Ende abgeschlossen wird. Trotz der lobenswerten Absicht verspielt „Howl“ durch eine unsichere Inszenierung die Chance, durch Spannung zu fesseln.

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Alle Bildrechte obliegen dem Verleih ©Capelight Pictures