Kill your Friends

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Manchmal hat man es satt, Filme mit Identifikationsfigur zu sehen, doch Kill your Friends ist kein solcher Film. Bereits in den ersten Minuten macht Regisseur Owen Harris klar, was für eine Art Mensch Protagonist Steve ist, wenn er seinen „Kollegen“ Roger mit Drogen vollpumpt und den schlummernden Körper mit dickem Grinsen anpisst. Owen möchte in der Musikbranche nach ganz oben und ist ein richtiges Arschloch, dass mit Nicholas Hoult´s bester Leistung seiner Karriere auf den heimischen Fernseher losgelassen wird.

Stilistisch ist der Film den Drogenexzessen deutlich nachempfunden, während ein toller Soundtrack diesen bestens begleitet. Schnelle Bildwechsel, hastiger Tonschnitt, grelle Szenarien, eine schnelle Abfolge vulgärer Dialoge. Kill your Friends befindet sich in der ersten Stunde in einer wahren Ekstase, überhastet sich in seinem Tempo beinahe und verpasst es auf eine tiefere Auseinandersetzung der eigentlichen Problematik einzugehen. Dass der ständige Konkurrenzkampf eines A&R Talentscout´s hart ist, man es in Erwägung zieht Kontrahenten auf unmenschlichste Art und Weise aus dem Geschäft zu verdammen und dass das Signen von Talenten unter ständigen Drogenpartys und Schnee schniefen eine wahre Herausforderung ist, hat man als Zuschauer bereits nach 10 Minuten verstanden. Doch anstatt diesen Kampf verbitterter zu zeigen, stagniert Kill your Friends nach gewisser Zeit, was man deutlich merkt. Nach einer tollen ersten Stunden geht der Sprit deutlich aus und es wird mager vor sich hingedümpelt. Erst in den letzten 10 Minuten fängt sich der Film wieder und beweist die Skrupellosigkeit seines Protagonisten in kühlen Bildern mit cartoonesken Gewaltspitzen.

Gegen Ende wird die krasse Satire etwas zu handzahm, was den Sehspaß allerdings nicht lindert. Zum Schluss bleibt immer ein flotter grotesker Spaß, mit diabolisch genialem Nicholas Hoult, nach dem man sich selbst ausgekotzt und gestresst fühlt. Mit American Psycho sollte man diesen Spaß allerdings nicht vergleichen. Sowohl von der Boshaftigkeit, als auch von der brachialen Gewalt ist dieser noch einigen Stufen höher.

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