Krampus

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„Trick ‚r Treat“ aus dem Jahre 2007 reifte mit der Zeit zu einem Kult-Geheimtipp im Horrorgenre heran. Der episodisch gegliederte Film beschäftigt sich mit den Eigenheiten und Ritualen von Halloween, diesem so sonderbaren Tag. Ende 2015 dann erschien mit „Krampus“ ein weiterer Film von Michael Dougherty, vor allem bekannt für seine Drehbücher zu „X-Men 2“ und „Superman Returns“, der sich erneut mit einem Feiertag und seinen ganz besonderen Schattenseiten auseinandersetzt, wobei es diesmal Weihnachten erwischt hat.

Nach einigen in Zeitlupe ablaufenden, satirisch intendierten Impressionen des vorweihnachtlichen Geschenkkaufes, in welchem aufgestaute passive Aggressivität hervorbricht, wohnt man den Vorbereitungen einer klassischen amerikanischen Mittelstandsfamilie liberaler Prägung bei, zu der auch der kleine Max (Emjay Anthony) gehört. Während sich alle, besonders Mutter Sara, in neurotischer Weise für die Ankunft der Verwandtschaft – Saras Schwester Linda samt Ehemann und Kindern – fertigmachen, schein Max der einzige zu sein, der den Geist des Weihnachtsfestes noch verinnerlicht hat. Als Linda samt Gefolge dann auftaucht, beginnen die alljährlichen Reibereien, bis schließlich auch Max den Glauben an ein harmonisches Miteinander verliert, was aber nicht folgenlos bleibt; bald schon zieht ein Blizzard auf und eine folkloristische Sagengestalt, der Krampus, geht auf die Jagd.

Weihnachtshorror gab es schon lange nicht mehr in den heimischen Kinos zu bewundern, und so wurde „Krampus“ natürlich zu einem heiß diskutierten und erwarteten Genrevertreter (die man jedes Jahr bedauerlicherweise an einer Hand abzählen kann) des letzten Jahres. Filme wie „Gremlins“ genießen Kultstatus, was nicht zuletzt an der Konterkarierung des allseits bekannten Feiertagsstresses und der oberflächlichen Besinnlichkeit mit komödiantisch angehauchtem Horror liegen mag, wodurch sich eine nette Prise Morbidität ins heimische Wohnzimmer gesellt. Wie viele andere Saison-Horrorfilme zeichnet „Krampus“ routiniert das Bild einer Gesellschaft und Gemeinschaft, die ein entfremdetes Verhältnis zur Zeit der Besinnlichkeit und Zusammenkunft aufweist und die ganzen traditionellen Riten lediglich selbstzweckhaft hinter sich bringen.

Ist die Gegenüberstellung zweier amerikanischer Familienmodelle – auf der einen Seite eine etwas hilflos wirkende, gemäßigte Kleinfamilie, auf der anderen das zahlreiche Republikaner-Gesocks – anfangs noch recht unterhaltsam, wird die Bedrohung der abgeschiedenen Gruppe bald konfus und wenig spannend, was besonders am mangelnden Charakterverständnis des Skripts liegt. Keine Figur steht uns nahe, nicht einmal Max, der im breit angelegten Klischeeensemble untergeht.

Wenn der Krampus und seine zugegebenermaßen liebevoll gestalteten Helfer (praktische Effekte, es kommt obskurer 80er-Flair auf), einen nach dem anderen abholen, ist das keine gut auserzählte Horrorgeschichte mit liebevollem Augenzwinkern, sondern eine ständige Abfolge von mäßig kreativen Schreckmomenten, deren Auflösung einfach unmotiviert und einfallslos ist. Keine lockere, in den richtigen Momenten suspensereiche Spuk-Farce, nur eine allenfalls zynische Abrechnung mit Weihnachten, der es nicht gelingt, eine intelligente Satire auf überkommene Bräuche oder einen metaphernreichen Findungs- und Reifeprozess zu entwerfen. Das an den Haaren herbeigezogene Ende macht den schlechten Gesamteindruck perfekt.

timthumb

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