Mad Max: Fury Road

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Dreißig Jahre war es ruhig um die Rolle des Max Rockatansky. Nun kehrt er, neu besetzt, zurück in die Welt des dystopischen Australiens der Zukunft.

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©Warner

„Mad Max: Fury Road“ ist die Vollendung von George Millers Vision, die er bereits dreimal zu verwirklichen versuchte. Immer mangelte es ihm entweder an Budget oder an den technischen Möglichkeiten, seinen Film so wie in seinem Kopf aussehen zu lassen. Die dystopische Zukunft wirkte stets unserer Zeit zu nahe, es fiel immer schwer, sich vorzustellen, dass in dieser Welt einmal das Chaos, die Anarchie regieren sollte. „Mad Max: Fury Road“ dagegen ist anders; bereits die zu Beginn gezeigten Bilder der kargen Wüstenlandschaft, des Staubes und die der vereinzelten, grünen Orte vermitteln ein Gefühl der Dystopie. Der Zuschauer merkt schnell, dass dies nicht mehr die Welt ist die er kennt, doch zugleich erkennt er auch, dass diese Welt in naher Zukunft zur Realität werden könnte, denn der Ressourcenkonflikt, der sich bei uns schließlich auch schon aufzubäumen droht steht auch hier wieder im erzählerischen Vordergrund.

Dass der vierte Teil der „Mad-Max“-Reihe zu einem Zeitpunkt angesiedelt ist, an dem unser altes weltliches System bereits vollends kollidierte, zeigt sich sehr gut an der Improvisationsgabe der zukünftigen Menschen. So befestigten sie beispielsweise Bagger auf Kleinwagen, die improvisierte Kriegsfahrzeuge darstellen; ein Zeichen, dass keine neuen Innovationen mehr getätigt werden, und man versuchen muss aus dem was man besitzt das Bestmögliche rauszuholen.

Trotz dieser Neuerungen im „Mad-Max“-Franchise vergisst Miller niemals den Bezug zu den drei Vorgängern, und so baut er viele kleinere Anspielungen auf diese ein, sei es entweder in Form eines bereits in „Mad Max II“ haargenau so gesehenen Stunts, einer Explosion oder einer flachen Kamerafahrt auf einer sandbedeckten Straße, wie sie Miller im ersten Film der Reihe des Öfteren einzubauen wusste.

Das Besondere, und im Actiongenre seltene an „Mad Max: Fury Road“ ist die Tatsache, dass man einfach nicht genug von diesem wuchtigen, audiovisuellen Sturm der Extraklasse bekommen kann. Denn wenn der Abspann über den Schirm läuft erfüllt den Zuschauer so etwas wie Trauer darüber, dass die Achterbahnfahrt bereits nach zwei Stunden vorüber ist. Optisch ein absoluter Leckerbissen, und in einer Landschaft angesiedelt, die so unglaublich viel Spielraum für die Entstehung von Actionszenen bietet, dass das Potenzial des Filmes schier unerschöpflich ist. „Fury Road“ hat so immens viele Möglichkeiten, dass auch nach einer doppelten Laufzeit noch immer nicht alles gezeigt werden konnte was es zu zeigen gibt.

Doch was „Fury Road“ zu solche einem Meisterwerk macht ist nicht nur die Action selbst, es sind die vielen kleinen Details, die im turbulenten Treiben leider unterzugehen drohen. Philosophische Gedanken, die davon handeln, dass es in unserer heutigen Welt zum Überleben gar nicht nötig wäre zu töten, und es dennoch geschieht, oder die Bezüge zur aktuellen Flüchtlingsthematik; „Mad Max: Fury Road“ ist aktueller und intelligenter als es auf den ersten Blick scheinen mag.

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©Warner

Deutliche Stärken im Bezug auf die Vorgänger sind im schauspielerischen vorhanden. Tom Hardy, der Mel Gibson ablöst, spielt die Rolle des Max Rockatansky um ein vielfaches emotionaler, gebrochener und tiefgründiger, was Gibson besonders in den Teilen II und III bewusst nicht zu Schau stellte. Während Gibsons Max sich dem Zuschauer gegenüber verschloss und nach dem Verlust seiner Familie eine Gefühlslosigkeit und Unantastbarkeit ausstrahlte, tut Hardy das Gegenteil, und lässt den Beobachter durch kleinere emotionale Ausbrüche hin und wieder einen Blick in Max‘ Psyche werfen. Was seine weibliche Mitspielerin Furiosa (Charlize Theron) betrifft muss man ganz klar sagen, dass hier ein guter Schritt in Richtung Emanzipation im Kino getan wurde, dennoch liegt sie schauspielerisch im Schatten Tom Hardys. Ansonsten gibt es keine große Vielfalt, der überwiegende Teil der restlichen Charaktere wurde vernachlässigt, um so den Fokus auf Max und Furiosa legen zu können. Zu erwähnen wäre noch, dass die Rolle des Immortan Joe vom selben Schauspieler verkörpert wird, der den sogenannten „Toecutter“ im ersten „Mad Max“ verkörperte.

Lange Rede, kurzer Sinn; „Mad Max: Fury Road“ ist der beste Teil der bisherigen Reihe, er ist ein lauter, epischer, bildgewaltiger Sturm von Film. Ein Kunstwerk des Actiongenres, das seinesgleichen sucht. Für den einen mag „Fury Road“ nur anspruchsloses Blockbusterkino sein, für den anderen jedoch nicht weniger als einer der besten, intelligentesten und innovativsten Filme der letzten Jahre. Wir dürfen gespannt sein auf die Fortsetzung „Mad Max: The Wasteland“.