Maps to the Stars

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Gastrezension von Pascal Reis, Kritiker von Moviebreak.de

Hinter den enormen metallenen Toren, in den luxuriösen Palästen, die wie architektonische Spiegelungen ihrer Nachbarkonstrukte adäquat nebeneinander aufgereiht sind, residieren die Stars und Sternchen. „Maps to the Stars“ aber zeigt nicht die medialen Illusionen, nicht das Perlweißgrinsen auf Knopfdruck, das schwelgerische Bad im Blitzlichtgewitter, die kreischenden Fanscharen, den Glanz und den Glamour. Jeder Blick in den Spiegel endet hier in einem gequälten Schnaufen. Die strahlenden, sich größtmöglicher Popularität ausgeliefert sehenden Gesichter sind kommerzialisierte und kapitalisierte Produkte ihres Umfelds: Hollywood, ein vergifteter und vergiftender Organismus. Menschen, die in ihrer schieren Naivität ein Leben in den Hollywood Hills erstrebten und schließlich einen Fuß in diese Branche setzen durften, werden in eine exzessiven Recyclingmaschinerie gesogen, die seine massenwirksamen Klischees zwanghaft reproduziert. Maskeraden und Marionetten.

David Cronenberg und Bruce Wagner müssen den Zuschauer wie die involvierten Charaktere nicht mehr in die Entfremdung eskortieren, zugespitzte Extreme als Klimax herleiten, hier ist alles schon längst verstrahlt und die verbrauchten Minen sind dem destruktiven Rauschgift Traumfabrik erlegen. Dass „Maps to the Stars“ in seinem Habitus nicht gänzlich ausbalanciert erscheinen mag, ist sicher nicht widerlegbar. Allgemein ist es auch unbestreitbar, dass die WIRKLICH großen Zeiten des David Cronenberg wohl mit „A History of Violence“ ihr herausragendes Ende gefunden haben. David Cronenberg aber ist immer noch ein exzellenter Regisseur und es generiert nicht nur ein hohes Maß an bitterer Unterhaltung, sondern offenbart ebenfalls eine immense filmischer Weitsicht, wie Cronenberg jeder gallig-zynischen Drehbuchspitze einen passenden inszenatorischen Kommentar zuweist.

Hat der Kanadier Mitleid mit den Charakteren, den vermeidlichen Abziehbildern? Mit den keifenden Furien, den verzogenen Bälgern, den fragilen Pyromaninnen und therapiebedürftigen Psychoanalytikern, die alle in einem hysterisch-inzestuösen Korsett arretiert scheinen? Vielleicht. Eher aber scheint es ihm daran gelegen zu sein, nuanciert zu veranschaulichen, dass das Problem im System und nicht in der charakterlichen Disposition gelagert ist. Emotional ist der metaphorisch geschwängerte „Maps to the Stars“ gewiss nicht, er ist distanziert und klinisch, nur selten dürfen sich zwei Schauspieler ein Bild teilen, jeder steht isoliert für sich, jeder kämpft für sich, jeder stirbt allein. Er agiert in seiner Sezierung der klaffenden Abgründe aber niemals vermessen, reibt wie schichtet jede Ebene fein auf und ist als Satire nicht im Ansatz in sein Sujet verliebt, weil es Aspekte in diesem Film gibt, denen er einfach auf Augenhöhe begegnen möchte, egal wie oft er auch auf sie einhauen und sie verhöhnen mag.

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