Overdrive

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Traumhafte Sandstrände die im Licht der untergehenden Sonne glitzern, leicht bekleidetet Traumfrauen die sich elegant durch die leichten Brisen des heißen Sommers bewegen, aufgemotzte Autounikate, die in stundenlanger Kleinarbeit so mühsam geputzt wurden, dass der Betrachter sich in den Reflexion auf dem Lack erkennt und Scott Eastwood, der mit dem Holzhammer in die Coolness-Fußstapfen seines Vaters geprügelt werden soll. Es tut mir leid, dass dieser filigrane Satzaufbau nun so konterkariert wurde aber in dem neuesten Vehikel von Produzent Pierre Morel namens Overdrive ist es nicht nur Scott Eastwood, der von Vorbildern dreist versucht zu kopieren.

Overdrive startete bei uns in kleinerem Release im Hochsommer und ist eben auch knallhart kalkuliert auf die guten alten Summer-Vibes. Beim Zuschauen soll man am besten eine kurze Hose tragen, ein kaltes Bier in der Hand halten und durchgeschmort von der Sonne nur noch flüssige Pampe im Schädel haben. Vielleicht funktioniert dieser kommerzgerichtete Actionfilm dann auch besser als unter normalen Umständen, denn man muss keinen Hehl daraus machen, um zu erkennen, bei welchen Filmen hier kopiert wurde. Fast and Furious setzte ja seit Teil 5 immer wieder Maßstäbe für gigantischen Action-Schwachsinn, der bei dem Publikum und an den Kinokassen extrem gut ankommt. Bei den alten Hasen ist zusätzlich noch der Actionspaß Nur noch 60 Sekunden mit Nic Cage im Kopf.

Nur leider schafft es Overdrive überhaupt nicht in die Fußstapfen zu treten, ohne dabei andeuten zu wollen, dass die der Fast and Furious Reihe so gigantisch wie ihre Action sind. Zum Start gibt es als kleinen Appetizer einen Heist, der ganz solide inszeniert ist, nur in den Action einfach keine Dynamik bringt und mit dem Protagonistenduo keine Sympathien erweckt. Die Coolness von Scott Eastwood und seinem Kollegen Freddie Thorp wirkt zu forciert und, womit wir wieder beim Thema sind, kalkuliert. In Schablone gepresst gibt es flotte Sprüche in jeder Situation, immer einen lässigen Blick und Mut, wann immer es die Situation benötigt.

Overdrive Ana de Armas

Doch der Narrationsmotor stottert direkt nach dem Beginn. Regisseur Antonio Negret möchte uns nämlich das Protagonistengespann ans Herz bringen, da in diesem jungen Liebesglück von Eastwood & Armas ja ordentlich Zucker verborgen ist und sein Kollege Thorp ohnehin der sexualisierten Gestalt der mageren Devin nicht widerstehen kann. Zusätzlich springt das Drehbuch immer wieder zwischen die Parteien, weshalb man irgendwann nicht mehr weiß, wer in welcher Organisation mitspielt und wer wen verarschen will. Man schlägt sich über eine Stunde mit diesen Leuten rum und zum Schluss einen Raub zu bekommen, bei dem die Autos gleich einer Werbung durch den Canyon gefahren werden, um die Kurven driften und keinen Blechschaden abbekommen.

Mit Blechschaden steht es in Overdrive ohne nicht so gut. Natürlich kann man auch mit 20 Millionen Euro Budget tolle Action inszenieren, doch hier verlässt man sich auf digitale Explosionen und man darf spekulieren, inwiefern das Budget für die Leihgebühren der extrem raren Autos draufgehen durfte. Denn spätestens am Ende, wenn sich alle jubelnd in den Armen liegen, gibt sich Overdrive komplett dem Klischee hin und war niemals daran bemüht ein eigenständiges Innenleben zu entwickeln. In unserer Eastwood-Retro haben wir fortlaufend den Charakter des Clint Eastwood analysiert, der direkt mit inhalierter Härte auf dem Zelluloid erschien. Sein Sohn Scott trampelt da auf den Pfaden, besser gesagt er versucht es, nur läuft er in die falsche Richtung. Und das ist kein Spaß anzusehen.

Wer Lust auf anspruchslose Filme hat oder den Sommer in sein Wohnzimmer holen möchte, darf gerne einen Blick riskieren. Doch wer sich von netten Oberflächlichkeiten nicht blenden lässt wird mit dieser zusammengeschusterten Geldverschwendung nicht viel anfangen können. Denn abgesehen von einer netten Optik fällt Overdrive leider in nahezu allen Punkten durch und das obwohl die Exposition noch Lust auf Mehr macht.

Overdrive DVD

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