Pet

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Wie heißt es in einem bekannten Lied doch so schön: „Love hurts, Love scars, Love wounds and marks“. In Pet bekommt dieses Zitat nun seine ausgeübte Physis direkt auf die Backen. Eines Tages trifft Seth seine Jugendliebe Holly und versucht sie für sich zu gewinnen. Doch das Einzige, was ihm entgegengebracht wird ist Ignoranz und anwidernde Ablehnung. Durch einen Zwischenfall schafft er es ihr Tagebuch an sich zu reißen und entführt sie. Um die Welt und sie selbst zu retten, sperrt er sie in einen Käfig im Keller einer Tierklinik.

Mehr sollte man über die Rahmenhandlung auch nicht verraten, denn im Laufe des Films kommt es zu einem großen Twist, der zwar weit hergeholt ist, aber dennoch überrascht. Es sollte ebenfalls direkt gesagt werden, dass das Sehvergnügen bei Pet immer im Zwiespalt steht. Zum einen halten die Dominanzspiele und die Charakterentwicklungen ordentlich bei Bewusstsein, denn Regisseur Carles Torrens weiß, wie er das Kammerspiel inszenieren muss, hat ein Händchen für Intensität und schafft es in der ersten Hälfte oftmals kleine Highlights zu setzen. Pet verlagert die Foltereien und brutalen Akte, die wir sonst eigentlich aus dem „Rape and Revenge“-Sektor kennen (in diesem Beitrag bleibt der Fokus auf Revenge), in den Hintergrund, ist nicht an expliziten Qualen interessiert und lässt seine Gewalt in kurzen eruptiven Spitzen aufbersten.

Sobald sich Pet dann jedoch an seinen ersten Twist wagt, tendiert die Entwicklung zum hanebüchenen Unsinn. Sicher ist diese Umorientierung nach knapp 40 Minuten eine große Überraschung, doch hat die Inszenierung zuvor auch stark daran gearbeitet, dem Zuschauer ein falsches Bild zu suggerieren. Eine bestimmte Situation wird komplett anders gezeigt nur um im Flashback zu offenbaren, dass wir für dumm verkauft wurden. Von diesem Moment, wenn die bereits erwähnten Dominanzspielchen endlich in Gang kommen, wird Pet zur öden Dialognummer, bei der die gezielte Manipulation erneut eine große Rolle spielt. Nachdem sich Carles Torrens für einen bekannteren Handlungsverlauf entschieden hat, gibt es dann nochmal einen Twist und Pet verkommt zu einem Twist-o-rama, welche das Gefühl vermittelt, dass man uns sonst nicht mehr bei der Stange halten konnte.

Am Ende dominiert doch der Eindruck eines Filmes, der sich ordentlich an Klischees bedienen möchte und so gerne neue Wege gehen würde, doch nutzt er diese nicht. Man bekommt sicher zwei ganz überraschende Twists zu sehen, doch auch die beste Wendung schützt nicht vor dämmernder Müdigkeit. Und die dominiert hier dann eben doch den Abend.