REC 4: Apocalypse

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Nach dem abseitigen dritten Film der erfolgreichen Rec-Filmreihe greift Regisseur Jaume Balaguero wieder das Ursprungsfundament der Reporterin Angela Vidal auf und sprengt die traditionelle Wackelkamerakonvention. Der Schauplatz bietet ähnliche klaustrophobische Atmosphäre, auch wenn sich der Film überraschenderweise kaum auf die Spannung konzentriert, sondern auch deftige Zombiekaulereien und Mordszenen. Die Geschichte dient dabei nur als antreibendes Fundament und ist wenig originell und kommt mit bekannten Klischees des Genres. Aufgrund der weniger hektischen Kamera bekommt der Zuschauer diesmal Übersicht auf das Geschehen, welches relativ spät erst in Gange kommt (nach circa der Hälfte der Spielzeit), dann aber mit rasendem Tempo in die Zielgerade gebracht wird. Innovativ ist das schon gar nicht, unterhält jedoch durch seine überwiegend handgemachten Effekte, gut gefilmte Kampfszenen und Einfälle, die das Herz von blutrünstigen Gesellen höher schlagen lassen. Wenn dann ein Bootsmotor um den Körper geschnallt wird und mit diesem durch einen engen Gang voller Zombies gelaufen wird staunt man, wie moderat die FSK an dem Prüfungstag gewesen sein muss.

Jedoch entfaltet sich kaum ein Charakter, da die Mehrheit der Statisten soweiso nur als Mittel zum Zweck fungiert. Jedoch wird kein Konsument mit einer bloßen Charaktergeschichte rechnen, weswegen Rec 4 genau das Erwartungsbild einfängt. Wer blutrünstige Zombieaction sehen will muss sich zuerst etwas gedulden, kommt dann jedoch voll auf seine Kosten. Die Kamera und das Produktionsdesign ist hochwertig, das Schauspiel grundsolide und das Makeup der untoten Vertreter so wie man es erwartet. Eine genaue Weiterführung der klassischen Rec Geschichte sollte man jedoch nicht erwarten, da ohne Hauptprotagonistin Angela auch ein anderer Titel auf dem Cover hätte stehen können. Rec ist mit 95 Minuten zwar etwas zu lang, unterhält jedoch fast durchgehend und bietet in seinem langen Finale kaum Zeit zum verschnaufen. Schade nur, dass der Fokus zu sehr auf Höhepunkte ausgelegt ist anstatt auf Spannung. Gruseln tut man sich fast gar nicht und das Ende bietet noch lange keinen Abschluss. Im Gegenteil, es wäre unwahrscheinlich wenn die Geschichte hiernach zu Ende wäre. Ob das allerdings gut ist steht noch in den Sternen. Rec 4 ist dennoch eine gelungene Fortsetzung. Und damit Guten Hunger.

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