Resident Evil: The Final Chapter

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Seit dem vierten „Resident Evil“ nahm Paul W. S. Andersons steril-stylishes Spiel-, Satz- und Siegexperiment Gestalt an. Kontinuierlich zerbröselte er den Raum in Räume, das Level in deren Strukturen, das Videospiel in ein Filmspiel, dekonstruierte es zu einer digitalen Universumsmultiplikation, die, umrankt von martialischem Pathos, ihre Flucht in der Tiefe des Kaninchenbaus sucht. „Resident Evil: The Final Chapter“ mag dabei letztgültiges Urteil sein – über eine Reihe, die mit Formen und Stoffen immersive Odyssee ist, während sie weiter vordringt, immer weiter. Bis zum Knotenpunkt, einer tief unter der Erde liegenden Forschungsstation. Hive genannt. Jede große Geschichte endet und kehrt zurück. Zum Anfang.

Anderson, selbstverständlich labt er sich an der Oberfläche, an den Oberflächen, den Fassaden, den Dynamiken, die jeder speziell ornamentierte Raum entfacht. Und hiervon ist „Resident Evil: The Final Chapter“ selten gesättigt. Auch wenn der sechste Teil, in Gänze gesehen, die Bewusstseinssprünge des fünften in eine stringente Actiondramaturgie samt Belagerung und Zombieinvasion(en) umwandelt, nimmt er sich die Freiheit, aufs Fantastischste in Bewegungen zu fabulieren. Anfänglich ein dystopischer Neustart in der „Fallout“-Kontaminationszone, befehligt Alice (Milla Jovovich) kurze Zeit später eine überschaubare Anzahl an galligen Söldnern. Das letzte Gefecht um die Menschheit – ihm wird Anderson gerecht: Mit Verve skelettiert er zugunsten des Kampfgewimmels die Dialoge.  

Feuerströme, gepanzerte Waffenstationen auf Rädern (vgl. „Death Race“) und allerlei liebevoll gestalteter Monsterquatsch toben in diesem letzten Film, der sich sogar die Zeit nimmt, auf Iain Glens finsteren Humor hinzuweisen. Betrachtet man alle „Resident-Evil“-Beiträge, so erinnert „Resident Evil: The Final Chapter“ am ehesten an den gescripteten Verlauf einschlägiger Adventure-Games, und gerade die markanten Momente sind es, die Anderson filmisch aufbereitet, Momente, an denen der Spieler unweigerlich verzweifeln kann, wenn er sowohl a) durch eine stillgelegte, aber alsbald erneut rotierende Luftschleuse seinen Weg fortsetzen muss (definitiv die vor allem musikalisch eindringlichste Sequenz) als auch b) akrobatisch anspruchsvoll tödlichen Laserstrahlen ausweichen muss.        

Dies ist ein Blockbuster, der sein Etikett verdient. Einschließlich aller Krankheiten. Man möchte meinen, Anderson entfache diese Krankheiten absichtlich – zu trashig auf Kommando wirkt das, sobald er „Resident Evil“ ad absurdum führt. Die „Handlung“ (oder was davon übrigbleibt) durchläuft unvermindert vertrackte Identitätstwists, angefangen bei dem letzten Stückchen Mythologie, das entmythologisiert wird: Die Red Queen (Ever Anderson) entpuppt sich als Produkt väterlicher Trauer. Und genau dieser emotionale Unterbau, inmitten von Maschinen und Macht, wie ihn auch James Cameron (in einem weitaus größeren Bezugsrahmen) kultiviert, verschafft dem Finale tragische Qualitäten und geradewegs biblische Dimensionen.

Da sei beispielsweise die (scheinbar) sterbende Alice erwähnt. Sie sinkt, langsam, unaufhaltsam. Sie hat sich geopfert. Götterdämmerung. Sie ist nur noch das Artefakt einer von Anfang an fatalistischen Heldenerzählung, und jene, gegen die sie gekämpft hat, bilden ein Podest, ihr zuliebe. Ein Podest für eine Amazone. Alles ist vergänglich. Anderson hätte es damit beschließen müssen. Dieser mythisch-antik eingefangene, dieser überdauernde Tod, er hätte nicht wunderschöner sein können. Als Vermächtnis an eine Filmfigur, eine Ehefrau, eine Mutter. Aber „Resident Evil: The Final Chapter“ will mehr und mindestens ein Hintertürchen offenlassen. Also wird dieses Kapitel längst nicht abgeschlossen sein, ein Klon von einem Klon ist das, ein Raum, der lediglich in einen anderen geleitet, und, dementsprechend, die Pause-Taste auf dem Controller. In diesem kurzatmigsten Matrjoschka-Film des Jahres.