Shut In

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„Shut In“ macht nach der Sichtung einen eigenartigen Prozess der Reife durch. Reife ist aber auch das falsche Wort, es ist mehr das Gegenteil: Fäulnis. Erste Artworks und das amerikanische Realeaseposter haben ein ausgeprägtes Gespür des Regisseurs und der Produzenten vermuten lassen; denn es erinnert auf signifikante Weise an Roman Polanskis allzu oft unerwähnten „Ekel“. Naomi Watts als Paranoikerin, weibliche, bedrängte Gefangene in den eigenen vier Wänden, die zunehmend feindlich gesinnt scheinen, hätte die neue Catherine Deneuve werden können.

Die Psychologin Mary (Watts) lebt allein in den Wäldern Neuenglands und betreibt dort ihre Praxis, nachdem ihr Mann in einem Autounfall umkam, durch den auch ihr Sohn Stephen (Charlie Heaton) ans Bett gefesselt wurde. Ihr einsamer Alltag zwischen Psychotherapie und der Pflege ihres Sohnes wird nur durch Skypetelefonate mit einem befreundeten Doktor und Besuche ihrer besten Freundin aufgelockert. Als jedoch einer ihrer jungen Patienten (Jacob Tremblay) in ihrer Gegend als vermisst gemeldet wird, geht das psychotische Thrillerspiel los. Mary leidet unter Schlafmangel und hört Geräusche, die ihren Ursprung zwischen den Wänden zu haben scheinen. Die Bedrohungen beginnen bald, gefährlich greifbar zu werden…

Nur leider, leider klingt das viel besser, als es ist. Da ist zunächst Jacob Tremblay, der nach „Raum“ anfang diesen Jahres schon von vielen auf den Thron eines Charakterdarstellers gesetzt wurde – und das im Alter von gerade einmal zehn Jahren. Der Shooting Star ist in „Shut In“ aber völlig austauschbar, verschwendet, lediglich Watts‘ Mary ist ein echter Charakter, auch wenn Charlie Heaton zum Ende hin noch auftrumpfen darf – hier soll an dieser Stelle aber nicht zu viel verraten werden. In den ersten beiden Akten wirkt „Shut In“ wirklich wie eine „Ekel“-Adaption mit Anklängen an „The Boy“, die aber, von der recht suggestiven Kammerspiel-Cinematographie abgesehen, ein ganz und gar grobschlächtiges Red-Herring-Feuerwerk mit einigen unfassbar lauten, generischen (Fake-) Jump Scares, die die Suppe gehörig versalzen (einmal springt uns sogar ein Waschbär mit Kamikaze-Geschrei entgegen – ja, wirklich).

Das Finale ist ein einziger „Shining“-Abzug, das im Anschluss an den einigermaßen spannenden Twist – der aber auch für viele vorhersehbar sein könnte – nur enttäuschen kann. Motive wie die Abgründe des Mütterlichen, Trauma- und Traumabewältigung werden nur angerissen und gehen unter im oberflächlichen Horrorreizgewitter über die Infiltration des Häuslichen.

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