Skiptrace

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Einst galt Renny Harlin als Garant für spektakuläre Actionfilme. In den 90er Jahren prägte er das Genre mit Knallern wie Stirb Langsam 2, Cliffhanger – Nur die Starken überleben und dem Weihnachtskracher Tödliche Weihnachten mit Gina Davis und Samuel L. Jackson. Doch besonders vor zwie Jahren lieferte er einen der schlechtesten Fantasyfilm der letzten Jahre, nämlich „The Legend of Hercules“, ab. In seinem neuesten Film vereinen sich erneut Ost und West, Jackie Chan trifft auf Johnny Knoxville, asiatische Kampfkunst trifft auf amerikanische Blödeleien. Das funktionierten zwischen Jackie Chan und Owen Wilson in Shanghai Noon und Shanghai Knights tadellos und eine gewisse Chemie ist auch Knoxville und Chan nicht abzusprechen. Die Mängel liegen großteils in der Inszenierung.

Die Kulturen werden zusammengeworfen bei einer Reise von Russland bis nach China, auf der natürlich zahlreiche Komplikationen auftreten. Die Geschichte ist ein tiefer Griff in die Klischeekiste und doch macht „Skiptrace“ nie einen Hehl daraus besonders clever oder innovativ zu sein, im Gegenteil. Immer wieder ist man als Zuschauer in einem Zwiespalt gefangen, ob man nun subversive Kunst sieht oder filmischen Durchfall. Wenn Jackie Chan zusammen mit einem mongolischen Stamm Rolling in the Deep singt oder gegen eine russische Kämpferin eine menschengroße Matroschka als Deckung nimmt und diese über eine Minute zerschlagen wird, vermittelt das eine recht ungelenkte Wirkung. Skiptrace ist ein Film der Gegensätze.

Direkt zu Beginn wirft der Film uns in eine Actionszene, die aussieht, als hätte eine Hobbyfilmer mit GoPro und Drohne versucht eine Prügelei zu filmen. Eine dunkelblaue Color-Correction versucht die Bilder auf Kinoqualität zu konvertieren, während Jackie Chan eine mittlerweile standardisierte Choreografie vollführt. Die Mixtur aus debilem Gezappele und athletischer Meisterleistung durchzieht sich ja bereits seit geraumer Zeit durch seine Filme. Doch inmitten der Hatz schafft man es plötzlich eine gut gefilmte, seriöse Kampfszene zu inszenieren (selbst der Humor schafft es, sich einzupendeln), bei der ein tonaler Wandel vollzogen wird, der jedoch nicht länge hält. Die Geschichte wird nach bekanntem Muster (Happy End) zu Ende gebracht und im Abspann darf man neben den Credits die üblichen Outtakes bestaunen. Skiptrace fühlt sich nicht nach einem spaßigen Action-Abenteuer an, sondern nur noch wie reine Routine. Eine Routinearbeit, die mit einem Buddyszenario aufgefrischt werden soll und sicher nur den Jackie Chan Ultras gefallen wird. Oder anders formuliert: 107 viel zu lang geratene Minuten, die man irgendwie schon gesehen hat. Das ist mehr als schade, denn das Duo funktioniert und auch einige Actionszenen wissen zu überzeugen.

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