Spectre

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Nach drei Jahren Abstinenz meldet sich Daniel Craig als Geheimagent im Dienste ihrer Majestät wieder und ist immer noch auf einer Reise durch seine Vergangenheit. Dabei bringt Sam Mendes das Geschehen in einer fulminanten Eröffnungssequenz temporeich ins Rollen. Eine schwebende Kamera, die ohne sichtbare Schnitte durch die Szene führt und bombastische Explosionen und ein enger Zweikampf in einem schwebenden Helikopter gehen runter wie Öl und eröffnen das Bond-Abenteuer so schön wie schon lange nicht mehr, trotz mehreren trashigen Momenten. Was danach folgt ist schon fast pure Ernüchterung. Daniel Craig immer mit flottem Spruch im Mund manövriert sich durch die Geschichte und kehrt zu alten chauvinistischen Wurzeln zurück, während Monica Bellucci bloß als pures Sexobjekt fungiert und in ihrer Trauer von Bond nach klassischer Tradition ohne Gegenwehr gebürstet wird und direkt danach nicht mehr wichtig für die Geschichte ist. Nun wird man Zeuge versucht wird, die Geschichte voranzutreiben und mit gelegentlichen Actionhäppchen zu würzen. Die sind jedoch so dermaßen unspektakulär und zäh, beispielsweise in einer Verfolgungsjagd durch Rom bei der man denken könnte Mendes hätte einen Vertrag unterschrieben, dass weder etwas kaputt geht oder spektakuläres passiert. Zwar wirken einige Elemente wie eine Reminiszenz an die alten Bondfilme (eine Zugprügelei ala From Russia with Love), dennoch ist die Inszenierung einfach unbrauchbar, da man das Gefühl bekommt, als würde nichts passieren. So schnell die Action auftaucht verschwindet sie auch wieder, obwohl in der kurzen Prügelei im Zug alte Zeiten aus Casino Royale aufblitzen.

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©20th Century Fox

Bond steckt viel ein, blutet und leidet während ihm ein riesiger Muskelprotz das Licht ausschlagen möchte. Doch auch dieser Versuch wird durch einen deplatzierten letzten Spruch von Antagonisten ausgekontert, aber immerhin geht Dave Bautista herrlich auf, während Christoph Waltz die gewohnte Landa-Klaviatur spielt, man sich seinem Charme jedoch kaum entziehen kann. Spectre steht im Zwiespalt, denn in einer überraschend harten Folterszene wird Bond als fragile dargestellt und leidet, in anderen ist er der schmucke Mann im edlen Anzug, der bei einem Absturz von einer Häuserwand auf einer Couch landet statt auf dem Boden und debil grinst. Auch die im Trailer angekündigte Düsternis hat sich im Film nicht durchsetzen können. Spectre übernimmt nicht die seriöse Narration von Skyfall, sondern ist lediglich ein flottes kurzweiliges (wenn auch etwas überstrapaziert mit seinen 150 Minuten) Bond-Abenteuer geworden und verschenkt sein Potenzial.

So schrecklich, wie das nun klingt, ist das neue Bond-Abenteuer jedoch nicht, denn wie eben erwähnt sind die zweieinhalb Stunden erstaunlich kurzweilig und die Eröffnungssequenz furios. Auch der Wortwitz hat einige gute Pointen auf Lager und Spectre liegt nicht schwer im Magen. Letztendlich ist es jedoch von allem zu wenig. Die Action ist nach dem Anfang unspektakulär inszeniert und ohne echte Höhepunkte, das Finale enttäuschend und es blitzen zu wenige Szenen auf, die das Potenzial des Trailers reflektieren. Die kurze Szene mit Mr. White ist spannend und sehr düster und Bonds erste Investigationen in der Organisation spannend und ohne jeglichen Humor. Danach werden diese Szenen jedoch hervorragend ausgekontert. Und Monica Bellucci´s Auftritt als Matratze und den Titelsong von Sam Smith möchte man am liebsten schnell vergessen. Wenn Bond zum Schluss jedoch langsam mit dem restaurierten Aston Martin der Connery-Ära in den Straßen verschwindet, fühlt ebenfalls das Ende einer weiteren Ära. Daniel Craig, du hast gute Arbeit geleistet.

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Alle Bildrechte obliegen dem Verleih ©20th Century Fox