Stolz und Vorurteil & Zombies

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Auch Stolz und Vorurteil & Zombies ist einer dieser Filme, bei dem man permanent daran denken muss, was aus ihm ursprünglich hätte werden können. Das Fundament bildet eine spaßig klingende Vermischung von weltliterarischem Stoff mit frauenstarker Zombieschlachterei. Was nach echtem Partyspaß klingt, wirkt jetzt, wie so oft in der Filmwelt, eher nach einem Versuch, Stoff für Erwachsene massentauglich zu machen. So startete der Film mit einem freundlichen PG-13 in den Kinos, dass bei so manchen bereits für eine herbe Spaßlinderung sorgte. Im Vorfeld gab es jedoch bereits einige Komplikationen in der Produktion. Nach mehrfachen Umentscheidungen im Bereich der Darsteller und Drehbuchautoren, fand sich Regisseur Burr Steers ein, der mit 17 Again auch nur durschnittliche Comedykost abliefern konnte.

Unter diesen Rahmenbedingungen entstand also eine Hybris aus Jane Austen und Zombies, dass bereits in seinen Trailern keinen Hehl daraus machte, debil trashige Unterhaltung zu liefern. Zumindest erkennt man am Cast, beispielsweise bei Lily James und Sam Riley, wie viel Spaß sie am Set hatten und mit welcher Freude sie in untote Ärsche treten. Mit lockerer Narration springt Steers Film zwischen Adaption und eigenem Unsinn hin und her, spielt sein Faible für Kostüm und Set in Wechsel mit Gefühlen aus und versucht so eine große Bandbreite anzusprechen, dass jedoch nur bedingt funktionieren will. Die Zombies wirken Großteils wie Fremdkörper und lediglich als spaßigen Gimmick zu einer weiteren Romanverfilmung. Trotz PG13 darf dennoch zeigefreudig (wenn auch blutleer) gestorben werden, die Eingrenzung schmälert die Euphorie jedoch. Denn zwischen all den billigen Schocks und kurzen blutigen Ausfällen, möchte man auch die Liebesgeschichte nicht außer Acht lassen, was letztendlich dazu führt, dass “Stolz und Vorurteil & Zombies” möglichst viel von allem sein möchte, von allem jedoch zu wenig ist.

Er traut sich nicht seine unterschiedlichen Komponenten miteinander zu einem großen Ganzen zu verbinden. Für eine Komödie nimmt der Film sich über weite Strecken zu ernst, für einen Zombiefilm hat er zu viele digitale Zombies und ein viel zu unübersichtliches Schlachtenszenario, für einen Liebesfilm wirkt die Liebesgeschichte viel zu aufgezwungen und für einen Partykracher, ist das Meucheln erheblich zahm geworden. Natürlich kann man mit dem Ergebnis an einem regnerischen Sonntag durchaus Spaß finden, was aus der ursprünglichen augenzwinkernden Prämisse jedoch übrig geblieben ist, ist ernüchternd. In kleinen Szenen blitzt ständig das cartoonesk-karikierende auf, der Spaß der hinter all den Einflüssen verloren geht, wenn es beispielsweise um das Frauenbild im 18. Jahrhundert geht. Aber das sind nur die kleinen Momente, die dafür sorgen, dass keine erhebliche Langeweile eintritt. Das Ergebnis tut natürlich nicht weh, macht seine Sache als anspruchsloser Zeitvertreib keinesfalls schlecht. Was aus dieser Hybridisierung jedoch hätte werden können und was daraus geworden ist, ist jedoch sehr humorlos und ernüchternd.

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