The Purge: Election Year

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Die „The Purge“-Reihe ist mit dem Erscheinen des ersten Beitrags im Jahre 2013 zu einem regelrechten Phänomen geworden. Das verwundert nicht. Das Franchise ist auch nichts anderes als „Hunger Games“ in düster und wegen seiner nicht gerade subtilen, brüchigen Grundidee massentauglich („Oha, da sterben Arme! Voll Kritisch!“). Das macht die Prämisse einer „Nacht der Säuberung“ nicht automatisch uninteressant. Autor und Regisseur James DeMonaco ist es aber weder im schwachen ersten, noch im deutlich besseren zweiten Teil gelungen, jene Prämisse ansprechend umzusetzen und ihr ganzes Potential zu realisieren.

Im dritten Beitrag, erneut von Jason Blum und Michael Bay produziert, begleitet der Zuschauer die Präsidentschaftskandidatin und „Purge“-Gegnerin Charlie Roan (Elizabeth Mitchell), die in der alljährlichen mörderischen Nacht ins Visier von Söldnern gerät, welche von ihren politischen Gegnern auf sie angesetzt wurden; gemeinsam mit ihrem Sicherheitschef (Frank Grillo, schon bekannt aus dem zweiten Teil) versucht sie, die Nacht zu überleben und kreuzt dabei die Wege diverser anderer Unglücklicher.

Da sind sie wieder. Diese Jumpscares, und diesmal haben sie ihren Namen redlich verdient. Nicht einmal mit langsam anziehender, sich steigernder Musik und Suspense wird auf diese erleichternden Momente des Schocks hingearbeitet, nein. Die Fratzen, die „Katzen im Wandschrank“, springen uns einfach an, begleitet von den womöglich lautesten Ton-Knalleffekten seit Jahren. Da könnte man schon meinen, DeMonaco fehlt das Vertrauen in den eigenen Film, wenn er die Rezipienten mit solchen Fake-Aufregern auf Trab halten muss, bis es richtig losgeht.

Durch Washington, verfolgt von hochgerüsteten Söldnern, unterstützt von den Armen, den Minderheiten. Durch eine plumpe Dramaturgie – „The Purge 3“ macht die gleichen Fehler wie die Vorgänger: Das Skript muss zu oft auf den berüchtigten „Deus Ex Machina“ zurückgreifen – begleitet man Figuren, die uns nicht interessieren, und das obwohl man weiß, wie viel auf dem Spiel steht. Dazu fehlt dem Drehbuch einfach der Sinn fürs Feine. Zu unglaubwürdig-unsympathisch sind die Dialogfetzen, zu sehr sind sie auf vulgäre Pointen getrimmt, um den Protagonisten Leben einzuhauchen und Empathie zu ermöglichen. Wie soll da Spannung aufkommen?

Diese Dystopie glänzt dann, wenn alpträumerische Impressionen der Anarchie aufflimmern, Enthauptungen, Kostüme, Masken. Alles quasi die Perversion amerikanischer Ikonografie, der patriotischen Zeichenwelt. Einer Zeichenwelt, die zum lebenserhaltenden, Sorel’schen Mythos in einer de facto-Diktatur verkommen ist – und was ist eine Diktatur schon anderes als institutionalisierte Barbarei?

So hat „The Purge 3“ zwei Seiten. Die plumpe Idee einer Ramadama-Nacht zur Beseitigung der unangenehmen Überbleibsel ökonomischer Verwertung steht neben Szenen, in denen mit Hakenkreuzen versehene „White Power“-Regierungsschergen von schwarzen Gangmitgliedern massakriert werden. Ansehnliche Action – Frank Grillo ist einfach ‘ne coole Sau – neben generischer Trailer-Inszenierung.

Ganz besonders in diesem Jahr, wenn die Amerikaner am 8. November die Wahl zwischen zwei Übeln haben, sehnt man sich nach durchdachterer, intelligenter Exploitation mit mehr Mut zum Pessimismus.

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