The Sacrament

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Die Found Footage Stilistik ist mittlerweile eine gern verwendete Methode, um Filmen eine realistische Darstellung von fiktiven Ereignissen zu verschaffen. Nun untergibt sich Regisseur Ti West nach The Inkeepers wieder dieser Inszenierungsmasche und beschert dem Zuschauer eine Darstellung des Sektensuizids von Jonestown 1978, wo sich 900 Sektenmitglieder mit Zyankali-Limonade vergifteten. Doch anders als in üblichen Genreproduktionen schafft man es hier mit der Handkameraästhetik ein Gefühl zu entwickeln, dass den Zuschauer glauben lässt er sehe wirklich eine Dokumentation von Journalisten.  Die anfängliche utopische Stimmung umfängt die Protagonisten und den Zuschauer, was durch Interviews mit einzelnen Mitgliedern verstärkt wird. Bis zum eigentlichen Grund der Reise in den Garten Eden denkt man sich auch als Zuschauer noch nicht viel, was sich nach diesem jedoch schlagartig ändert. Nach dem Interview mit “Father” (brilliant gespielt von Gene Jones) überschlagen sich die Kuriositäten, die Stimmung wird düster und das Magengefühl des Zuschauers unwohl. Die Found Footage- Inszenierung hat man selten so erlebt wie in “The Sacrament”.

Ti West versteht sein Handwerk und beweist mit “The Sacrament” einmal wieder, dass er ein Gespür hat für die richtige Inszenierung und das richtige Tempo. Der ruhige Erzählduktus schlägt im wirklich grauenhaften Finale um und bietet einige intensive Szenen, die man für eine Weile nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Auch wenn der religionskritische Aspekt leider nicht genauer belichtet wird und die Konfrontation aus unspektakülären Ereignissen resultiert, wirkt die Stimmung bedrohlich, die Inszenierung erschreckend und das Schauspiel widerlich (im positiven Sinne). Bemängeln kann man nur nicht viel, möchte man eigentlich auch nicht, da The Sacrament einer der wirksamsten Thriller des Jahres ist, der die fast totgefilmte Stilistik Found Footage endlich sinnvoll nutzt und auch atmosphärisch dicht ist, kompromisslos, anwidernd und gut gespielt ist. Leider bekommt The Sacrament weit weniger Aufmerksamkeit, als er eigentlich verdient. Auch wenn The Sacrament nicht ganz an den starken “The Inkeepers” herankommt ist er ein weitere Beweis dafür, dass es nicht immer große Mittel braucht eine zerschmetternde Wirkung zu erreichen. Geheimtipp!

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