The Witch

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Erneut zeichnet sich ab, warum das Independent Horrorkino den Mainstream längst überholt hat. Von den Kritikern wurde „The Witch“ mit Vorschusslorbeeren überhäuft, von dem Publikum als sehr zwiespältig abgetan und in meiner Vorstellung von einem äußerst jungen Publikum, das man sonst eher in Filmen wie Ouija und Konsorten vorfindet, lautstark ausgelacht und ausgebuht. „The Witch“ ist ein spezieller Film, der sich an eine bestimmte Sorte von Publikum wendet und höchste Aufmerksamkeit fordert.

Debütant Robert Eggers beweist direkt mit seinem Debüt, wie vielschichtig das Genre Horror ist, wenn man es mit einem Familiendrama kreuzt und altertümliche Gewohnheiten/Ansichten als Manifestation der Angst katalysiert. Eine streng gläubige Familie, die abseits der Zivilisation von etwas Übernatürlichen terrorisiert und allmählich dysfunktionalisiert wird, zumindest ist es dem Zuschauer überlassen dies zu glauben, denn bis zum Schluss ist es ein Spiel mit der Psyche, ob es nun ein Kreatur ist oder eine fehlinterpretierte Abfolge ungünstiger Zufälle. Eingefangen mit einer ungewöhnlichen Cinematographie, einer katatonisch narrierten Erzählung und behutsamen Spannungsaufbau entfaltet sich das Schauermär auf eine unikate Weise und setzt auf eine beunruhigende Atmosphäre, anstatt den Zuschauer mit billigen Effekten an der Stange zu halten. Immer wieder blitzen Religionskritik, Aberglaube oder zivilisierte Dehydrierung auf. Wird der menschliche Organismus anfälliger für Angst, der durch eine undefinierbare Präsenz ausgelöst wird, wenn er ewig isoliert gelebt hat? Ist es die strenge Gebundenheit an eine religiöse Schrift die menschliches Handeln fehlleitet?

The Witch gibt wenig Antworten und sorgt dafür, dass sich der Horror im Kopf des Zuschauers manifestiert und ihn lange beschäftigt, auch wenn die krampfhaften letzten Einstellungen untermauern, dass Überambitionen oftmals ein Lachen entfesseln können, auch wenn es den Mut den Regisseurs repräsentiert. Jegliche Interpretation, jeder erfasster Symbolismus wird kaschiert, indem die Inszenierung offensichtlich zeigt, was sonst so sezierend entnommen werden könnte. Ein intimes Porträt einer allmählig zerfallenden Familie, schauriges Horrorkino, das großen Fokus auf seine Charaktere und deren Entwicklung legt und die zwischenmenschlichen Konflikte nach dem Vorbild von altertümlichen Ansichten wie ein tragisches Familiendrama inszeniert, angereichert mit fantastischem Soundtrack. Innovatives Kino mit starkem Ensemble, dass für Robert Eggers sicherlich einen Grundstein für eine vielversprechende Karriere markiert und die Frage offen lässt, ob der Teufel nicht in jeder Menschengestalt auf der Erde wandert. Gewiss kein Film für einen überfullten Filmabend, aber eine Schauermär, die noch lange nach Sichtung beschäftgit und eine der gruseligsten Szenen der letzten Zeit beinhaltet. Am besten ohne Ablenkung von Smartphones, lauten Mitguckern oder Geräuschkulisse genießen!

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Alle Bilder obliegen dem Verleih ©Universal Pictures