Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhoof Zoo

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Es sagt viel darüber aus, dass Wir Kinder vom Bahnhof Zoo immer noch als Klassiker der Drogenaufklärung gilt. Dass Teenager, die ihre Sozialarbeiterphase durchmachen, immer noch an diesem Buch und der Verfilmung kleben. Sind wir in der Drogenaufklärung immer noch nicht weiter als Anfang der 80er?

Die Fehler des Films beginnen schon dabei, wie Christiane F. In das Milieu abstürzt. Feierlaune, Disko und David Bowie sind hier das Eintrittstor in die Drogenwelt. Regisseur Uli Edel kommt dabei nicht ansatzweise auf die Idee, dass es auch oder vor allem soziale Probleme gibt, die in den Drogensumpf führen. Nein, hier ist es die böse Rock’n’Roll-Musik, vor der die Eltern immer gewarnt haben. Es ist Kackdreist, wie hier die direkte Brücke zwischen der Musik David Bowies und dem Heroinkonsum der Hauptfigur geschlagen wird. Generell ist diese lausige und höchst bedenkliche Darstellung eines Kausalzusammenhangs nicht nur die einzige Dämlichkeit, die Edel begeht. Der Abrutsch in die Szene ist, wie überhaupt der ganze Film, zu schlecht geschrieben und zu schlecht gespielt, als dass man den mentalen Zustand der Hauptfigur zu irgendeiner Zeit nachempfinden könnte, geschweige denn ihr Handeln nachvollziehen. Es bleibt ein Rätsel, wie das jetzt nochmal genau gegangen ist. Fest steht nur, dass Party und Drogen Hand in Hand gehen.

Aber an einer Aufarbeitung der Umstände ist dieser Film ohnehin nicht interessiert. Uli Edel ergötzt sich an der eigenen Inszenierung und den Bildern des Rausches und der Qual des Heroins. Dabei kennt er keinen Halt. Man fragt sich, wo er denn die Grenze zieht. Die Würde des Menschen ist es jedenfalls nicht. Es ist zynisch und makaber, wie er auf diese verlorenen Jugendlichen herabblickt und ihnen mit voyeuristischer Lust beim Scheitern zuschaut. Die mangelnde Komplexität, die, um die Anatomie einer Sucht zu durchleuchten, notwendig gewesen wäre, bringt er zu keinem Zeitpunkt auf. Es bleibt bei den immer gleichen und sich stets wiederholenden Plattitüden, die man im Bezug auf das Thema schon tausende Male gehört hat. Nur einmal probieren, nicht möglich, aussteigen jetzt, auf zum nächsten Schuss. Okay, ja, ist gut – und weiter. Das taugt weder als Aufklärung noch als Abschreckung, Drogen und selbst gestochene Tattoos sind so eher das, was man macht, wenn man den Eltern auf den Sack gehen will.

Um es kurz zu machen: „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ ist der Prototyp des deutschen Problemfilmchens. Das ist die Art von Film, mit der Deutschlehrer gerne ihre Schüler am Ende des Jahres quälen, wenn sie zu faul sind ordentlichen Unterricht zu machen. Dann dürfen die bereits angesprochenen Sozialarbeiter-Teenies in ausgestellter Betroffenheit die Hände vor dem Mund zusammen klatschen und der Rest der Klasse langweilt sich zu Tode und wünscht sich einen fetten Joint. Denn der würde diese öde, falsche und dumme Tortur eines Films halbwegs erträglich machen.