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Es gab mittlerweile diverse Horror-Anthologien. The ABC of Death, V/H/S, Tales of Halloween und und und… Mit XX kommt nun jedoch ein frischer Wind die Horror-Kurzfilmwelt, denn hier sind die 4 kurzen Episoden ausschließlich von Regisseurinnen inszeniert und schaffen nun eine weibliche Perspektive auf das beliebte Genre. Kleinere Differenzen in der Produktionsgeschichte sind dennoch zu verzeichnen, sollte ursprünglich Jennifer Lynch, die nebenbei den äußerst empfehlenswerten Chained gemacht hat, und Marry Harron ebenfalls eine Episode inszenieren. Beide sind nun leider nicht mehr von der Partie, dafür jedoch Annie Clark, die unter ihrem Pseudonym St. Vincent bekannt ist. Da sich hier, ähnlich wie bei V/H/S 2, große Qualitätsunterschiede zwischen den einzelnen Episoden ergeben, bewerten wir die Kurzfilme einzeln und bilden aus den Einzelwertung die Gesamtwertung.

The Box (Jovanka Vuckovic) 7/10

Es ist leider mehr als schade, dass XX direkt mit seiner besten Episode beginnt. Auf dem Heimweg in der U-Bahn möchte der kleine Danny unbedingt wissen, was in der Geschenkbox eines mysteriösen Mannes ist. Mit dem Anblick bricht eine Krise über die junge Familie ein. Das Beste an The Box ist es, dass er das Horrorgenre als undefinier- und erleuterbares Mysterium versteht und dem Zuschauer nicht den Hauch einer Erklärung liefert. Wir erfahren sozusagen am eigenen Leibe aus Sicht der jungen Mutter, wie verstörend die Krise ins familiäre Leben einbricht. In ruhigen Bildern erzählt Jovanka Vuckovic eine verstörende kleine Geschichte von Jack Ketchum und lässt einen Schauer über den Rücken jagen. Die Konsequenz die diese Episode ins Ziel bringt ist einnehmend und beschäftigt auch noch nach den Sichtungen, lässt es sich schließlich nicht erklären, was in dieser Box war (selbst Internetforen finden keine Antwort darauf). Ein toller stilsicherer Einstieg, der die Messlatte leider direkt ziemlich hoch ansetzt und vor allem im Kurzfilm seine perfekte Wirkung findet. Toll!

XX Movie

The Birthday Party (Annie Clark) 4/10

Marry möchte eine Geburtstagsfeier für ihre Tochter inszenieren, doch findet sie ihren Mann tot im Büro. Damit ihre Tochter keinen Wind davon bekommt, versucht sie die Leiche so gut wie möglich zu verstecken. Repräsentativ für St. Vincent ist diese Episode vor allem eines: Makaber und sehr skurril. Sicher wird diese Episode ein ziemlicher Publikumsspalter sein. Für manche ist diese abgefahrene Mix aus Jump-Scare Fest, Comedy und Familienfilm ein echtes Highlight, für manche allerdings auch ein ziemlich anstrengendes Unterfangen. Hier liegt die Wahrheit jedoch auch irgendwie in der Mitte, denn das Konglomerat möchte bei uns nicht so recht funktionieren. Immer wieder Treffen originelle Ideen auf Abgestandenes aus der Mottokiste und die Narration forciert klar die Esklation am Ende. Nicht jedermanns Sache, bisweilen derbe abgefahrenen, aber leider auch sehr dysfunktional in seinen Bestandteilen.

Don´t Fall (Roxanne Benjamin) 2/10

Wieso diese Episode in dieser Anthology ist, kann man sich einfach nicht erklären, denn sie zeigt hervorragend wie man Horror nicht inszeniert. Vier Freunde machen einen Ausflug ins Gebirge und werden dort mit einem alten mordlüstigen Geist konfrontiert. Ganz ehrlich, diesen Typ von Backwood-Slasher gab es bereits unzählige Male, doch selten wurde dieser so miserabel ausgeführt wie hier. Vier dumpfbirnige Freunde, die sich unrationaler verhalten als es überhaupt mögllich, kreischen sich bis zur Kehlkopfexplosion um ihren Verstand und stampfen durch eine abgetrampelte Inszenierung. Wendungen, die jedem bekannt sein dürften, Darsteller, die schlechter nicht sein könnten und eine unfähige Inszenierung, dass einem schlecht wird. Kaschierten die beiden Episoden zuvor noch ihr eingeschränktes Budget, toppt Don´t Fall alle Maßstäbe. Billige Effekte, billige Darsteller und billige Schocks aus der Mottenkiste. Hier wird der Gesamteindruck von XX deftig in die Wand gefahren und erneut gehts es im positiven Empfinden ordentlich bergab. Aber wenn es läuft, dann läuft es halt. Rückwärts und bergab! Das hätten die Freunde am Besten mit ihrem Wohnwagen auch gemacht, dann wäre uns diese Episode erspart geblieben.

 

Her Only Living Son (Karyn Kusama) 5,5/10

Karyn Kusama bringt mit ihrer Episode wieder großen Mut in die Anthologie. Her Only Living Son ist eine Mischung aus Drama/Body-Horror und zeitgleich eine persönliche Verneigung der Regisseurin vor Roman Polanskis Meisterwerk “Rosemarys Baby“. In einem Statement drückte sie vollendete Liebe für den wegweisenden Klassiker aus und das merkt man auch. Mit The Invitation zeigte Kusama, dass sie intensiv aufgebauten Thrill perfekt beherrscht. Hier widmet sie sich ebenfalls ruhigen Tönen und steckt eine Mutter in eine undurchsichtige Situation. Ihr Sohn jagt ihr Angst ein, wirkt überdominant und sein Körper beginnt sich animalisch zu verändern. Mehr sollte man zu Her Only Living Son jedoch nicht sagen, denn so könnte man einige Aspekte bereits verraten, aber soweit gesagt: Wir werden von Karyn Kusama in der Zukunft einiges im Horrorgenre erwarten dürfen, denn auch wenn ihrer Episode bei weitem keine perfekte und komplett gelungene darstellt, ist die Verneigung vor Genrefilmen, der perfekte Thrill und die mehrdeutige Interpretation der Pübertat ein interessantes Unterfangen.

XX DVD

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