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Nobody Sleeps In The Woods Tonight

von Sean Theumer

Nobody Sleeps In The Woods Tonight wird angepriesen als erster polnischer Slasher und bildet einen neuen Eintrag in der Vita des Regisseurs Bartosz M. Kowalski der mit Playground gezeigt hat, wie intensiv er Spannung inszenieren kann und ebenfalls nicht vor grenzwertigen Gewalttaten zurückschreckt. Doch gerade im Slasher ist es schwierig aus dem Einheitsbrei herauszustechen.

Alles könnte so schön sein. In einem Jugendcamp müssen die Teilnehmer ihre Handys abgeben und zusammen mit einem Gruppenleiter durch die polnischen Wälder wandern. Angetrieben von der Tatsache, dass jährlich mehrere tausend Menschen in den Wälder verschwinden finden sie schnell heraus, dass etwas böses im tiefsten Dickicht ruht und auf der Jagd nach Menschen ist.

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Die Synopsis liest sich bereits wie jeder x-beliebige Film und schnell wird auch klar wieso. Nobody Sleeps In The Woods Tonight  nimmt sich beinahe schon auf dreiste Art und Weise alle Zutaten bekannter Slasherfilme und kocht sie nochmal auf. Allerdings passiert das auf eine dermaßen uninspirierte Weise, dass es schwer fällt dahinter eine verehrende Intention zu erkennen. Vielleicht ist Kowalski ein absoluter Slasherverehrer und wollte sein eigenes kleines Best Of drehen. Nur leider verwechselt er hier die Verbeugung mit einer bloßen Kopie. Viele Backwood-Slasher scheint er zumindest gesehen zu haben, denn Nobody Sleeps In The Woods Tonight ergibt eine Mischung aus nahezu jeden bekannten Film dieser Sorte.

Menschen die wie in Wrong Turn mit einem unbekannten Stoff in Kontakt gekommen sind und seitdem verformt und mordernd durch die Gegend ziehen mit dem Hunger auf Menschenfleisch? Check. Ein leicht dickerer Killer der als absolute Killermaschine in Bauerntracht durch die Gegend zieht wie in Hatchet? Check. Eine Person die sich aus Angst vor dem Killer in seinem Schlafsack versteckt und von diesem dann brutal gegen einen Baum geschlagen wird wie in Freitag der 13. Teil 7? Check. Die Liste könnte problemlos fortgetragen werden, doch das macht wenig Sinn. Dreist wird es ohnehin spätestens dann, wenn der Anfangskill aus Wrong Turn 2 in gleicher Schnittfolge mit gleichen Einstellungen kopiert wird. 

Wenn Nobody Sleeps In The Woods Tonight nicht so brutal uninspiriert beziehungsweise dreist abgeguckt wäre, hätte er durchaus ein solider Slasher werden können. Die Jungdarsteller haben Lust und ihre unverbrauchten Gesichter sind eine angenehme Abwechslung, die Meta-Ebene ist recht originell und alle Gore Szenen und Masken überzeugen mit praktischen Effekten. In puncto Härte ist der Film ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Da wird enthauptet, gespalten und gegessen, dass die Netflix-Einstufung ab 18 ihre Berechtigung hat. Zudem wirkt Kowalskis Film in seinen kleinen Spannungssequenzen recht kompetent inszeniert und bietet eine gelungene Abwechslung aus Fake-Out Scares und Versteckspielen.

Zerfahren wird es allerdings spätestens dann, wenn ein Subplot mit einem Priester aus dem Nichts eine drastische Wendung nimmt, die innerhalb weniger Minuten direkt nicht mehr interessant ist, weil die Handlung sich ja weiter bewegen muss. Zu doof nur, dass diese sich ohnehin schon quälend ins Zeil schleppt. Warum ein Slasher über 100 Minuten gehen muss, wenn es um Survival geht bleibt ein Rätsel. Es dauert lange bis hier endlich Fahrt aufkommt, dann gibt es einen extrem ermüdenden Mittelteil und einen Schlussakkord der immerhin mit blutigen Details zu unterhalten weiß, die man allerdings aus anderen Filmen kennt.

Am Ende regt man sich ohnehin nicht mehr auf. Man hofft dass endlich die Schlusscredits über den Bildschirm laufen. Nobody Sleeps In The Woods Tonight ist eine Kopie verschiedenster Filme. Filme die besser sind als er. Sicher finden sich zwischendurch unterhaltsame Elemente und die Gore-Szenen machen Spaß, doch da bleibt im Kern einfach zu wenig eigenständiges. Stattdessen lieber die ersten beiden Wrong Turn Filme gucken. Die sind in ihrer Härte deutlich eindrucksvoller als dieser. Oder vielleicht doch Hatchet von Adam Green. Der bringt den Gore nämlich ebenfalls deutlich ruppiger und ist eine echte Spaßgranate.

 

Nobody Sleeps In The Woods Tonight

Regie: Bartosz M. Kowalski
Drehbuch: Bartosz M. Kowalski, Jan Kwiecinski
Darsteller: Julia Wieniawa-Narkiewicz, Michal Lupa, Wiktoria Gasiewska, Stanislaw Cywka, Miroslaw Zbrojewicz, Piotr Cyrwus 
Score Composer: Radzimir Debski
Cinematographer: Cezary Stolecki
Altersfreigabe: 18
Lauflänge: 102 Minuten
Erscheinungsjahr: 2020
Budget: 13.000.000$
Box-Office: Kein Kinostart

Die Bildrechte obliegen ©Netflix

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