Oscarverleihung 2016- Die Nominierten in der Kategorie Bester Film

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Wie gut sind die Nominierten wirklich?

The Revenant: Extremkino in überwältigende Cinematografie gepackt vom letztjährigen Oscargewinner Alejandro González Iñárritu. Ein wortkarger, narrativ einfach gestrickter Überlebenskampf der an die Substanz geht und von vielen aufgrund seiner augenscheinlich fehlenden Substanz kritisiert wurde. Viel zu erzählen hat „The Revenant“ nicht, doch weiß er die Geschichte mit der visuell überbordenden Bildsprache eines Emmanuel Lubezkis zu erzählen, die mit einer dreckig blutbesudelten Wirkung auf den Zuschauer einschlagen. The Revenant ist ein Film, aus Schweiß, Blut und Raserei geschaffen, dessen Inszenierung stilsicher zwischen knüppelhartem Überlebenskampf und Momenten der Stille und Melancholie wechselt, in seinen Gewaltakten an den Omaha-Beach aus Saving Private Ryan erinnert, es in einem Kampf mit einem Bären schafft mit seiner dreckigen Brutalität zum „Nicht-Hinsehen“ zu animieren und mit leichtem Esoterik-Ausflügen Zeit zum erholen lässt. Was an inhaltlicher Leere anzukreiden ist wird durch spürbare Inszenierung ersetzt und ergeben ein Erlebnis, dessen Wirkung auf größter Leinwand einlädt, den Schmerz selbst zu spüren. „The Revenant“ ist ein kräftezehrendes Werk in ungeschliffenen Bildern durchflutet von Rotz, Blut und Schmutz. Ein Film an dessen Ende man selbst Erlösung gefunden hat und bereit ist, mit dem letztem Atemzug die Vergangenheit abzuschließen. The Revenant ist Kino.

 

©rollingstone.com


Raum: Room ist nicht nur ungeheuer intensiv und verdammt authentisch gespielt, sondern treibt den Zuschauer mit in die Spirale der Depression und Hoffnungslosigkeit, um ihn wie einen austrocknenden Fisch zappeln zu lassen, ihm immer wieder Mut zu geben und Willenstärke finden zu lassen, während man sich längst mit der Tatsache abgefunden hat, dass jegliche Rettung zu spät ist. Tatsächlich funktioniert das so gut, dass man sich nicht vom Bildschirm lösen kann. Die Kombination aus Poesie, Lebensfreude und menschlicher Abscheulichkeit fesselt zwei Stunden, langweilt zu keiner Sekunde und ist einer der besten Filme des noch so jungen Jahres.

©sbs


Mad Max Fury Road: Handgemachtes, knallhartes dystopisches Actionkino, das Euphorisiert und neue Maßstäbe setzt! Zwar ist die Narration vollkommen linear geraten, dafür hält man sich nicht lange an bestimmten Orten auf, sondern feiert die Zerstörung und das Chaos gnadenlos ab, während JunkieXL beste Unterstützung bietet. Jeder weitere Hollywoodactioner muss sich ab jetzt mit Fury Road anlegen und, verdammt der hat die Messlatte in den Olymp gehievt! Der beste Teil der bisherigen Reihe, ein lauter, epischer, bildgewaltiger Sturm von Film. Ein Kunstwerk des Actiongenres, das seinesgleichen sucht.

©warner


Der Marsianer: Thematisiert den Ehrgeiz des Menschen, die Kraft des Individuums und den respektvollen Umgang mit Ressourcen. All diese Aspekte lassen den Film zu etwas besonderem erheben, auch wenn er sich inszenatorische Überraschungen und unkonventionelle Handlungsebenen spart. “Der Marsianer” blüht trotz alledem auf und ist neben “Mad Max: Fury Road” eines der wichtigsten Kinofilme über Nachhaltigkeit des Jahres 2015 gewesen. Qualitatives Blockbusterkino, wie man es leider nicht allzu oft sieht.

©Fox


The Big Short: Die einleitenden Zitate zu Beginn der jeweiligen drei Abschnitte des Films intensivieren zusätzlich die bevorstehenden Geschehnisse, ganz besonders beim finalen Part. Dieser ist nach all der aufgekommenen Freude und dem kongenialen, bissigen Humor, welcher durchgängig überragend funktioniert, ein spürbarer Schlag in die Magengrube. Nicht nur die Schuld lastet den Protaginsten -ebenso wie dem Zuschauer- auf den Schultern, sondern schafft es regelrecht die Augen gegenüber dem moralisch verwerflichen, vorherrschenden System zu öffnen, um sich schließlich nachhaltig mit dem Thema zu beschäftigen. “The Big Short” ist nicht nur ein aufklärender Film über unsere zustande gekommene, aktuelle Wirtschaftslage, sondern ein ins Herz und Hirn zielendes Meisterwerk, das vor lauter künstlerischen Ideen übersprüht und beachtliche schauspielerische Leistungen vorzulegen hat. Eine solch nachhaltige Wirkung haben nur die wenigsten -und besten- Werke. Ein Film von überaus großer Wichtigkeit!

Left to right: Steve Carell plays Mark Baum and Ryan Gosling plays Jared Vennett in The Big Short from Paramount Pictures and Regency Enterprises

©Paramount


Bridge of Spies: Bridge of Spies – Der Unterhändler“ ist ein echter Steven Spielberg. Das bedeutet nicht nur, dass man sich auf handwerklich meisterhaft arrangierte 140 Minuten einstellen darf, in denen der Altmeister noch einmal unter Beweis stellt, wie man einen altmodischen Polit-Thriller hochwertig in Szene gießt. „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ kommt ebenfalls nicht ohne den für Spielberg charakteristischen Kitsch aus und geht sogar soweit, Hauptakteur James B. Donovan beinahe zur Karikatur verkommen zu lassen, so sehr feiert ihn der Film in seiner Ehrenhaftigkeit ab. Nichtsdestotrotz, „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ ist durchaus einnehmendes Hollywood-Geschichtskino. ©Pascal Reis, Moviebreak.de

©Fox


Carol: Carol ist in erster Hinsicht großes Schauspielkino. Besonders Maras Wenigkeit ist überaus wirksam für das gesamte Endprodukt. Blanchett schmückt ihre Performance ebenfalls mit tiefgehenden Blicken, ist aber teils etwas anstrengend aufgrund ihres zu dick aufgetragenen Selbstbewusstseins. Das trifft aber nicht nur auf Blanchett zu, sonders auch auf Wayne´s Schaffen. Dieser legt so viel Wert auf Atmosphäre und Intensität, dass es zu großen Passagen zu schleppend wirkt, um zu verzaubern und in den Bann zu ziehen. Trotz alledem wird das Thema Homosexualität sehr respektvoll behandelt und mit einem erstklassigen Soundtrack unterstrichen.

©DCM


Spotlight: Authentisches Ensembledrama um die Investigation einer Journalistentruppe, die den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche aufdecken. Dabei lebt der Film von seiner starken Darstellern und den brisant geschrieben Dialogen. Dass das Tempo auf gemächliche Narration gedrosselt ist, stört dabei weniger, denn Tom McCarthy´s Drama ist niemals parteiisch und konsequent inszeniert, sodass die einfache Geschichte, die wenig Überraschungen zu bieten hat, in seiner knackigen Laufzeit nie langweilig wird. Spotlight ist aufwühlend und schockierend, jedoch ist es schade, dass der Film seine emotionale Komponente verfehlt. Denn egal wie bewegend die Schicksale  und die Leidvorstellungen sind, bis auf kleinere Szenen lässt das Geschehen erschreckend kalt.

©Paramount

Die Auswahl ist dieses Jahr überraschend stark (In den Genuss von Brooklyn sind wir leider noch nicht gekommen), wenn letztendlich wohl The Revenant die Trophäe bekommen wird, auch wenn wir es George Miller für die Revolution des modernen Actionkinos wünschen. In ein paar Stunden wissen wir mehr! Schaut ihr die Verleihung heute Abend?