Winnetou – Der letzte Kampf

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Ja, doch. Sie haben es geschafft. „Winnetou – Der letzte Kampf“ ist der mit Abstand beste Teil der Reihe. Der zweite Teil ist völlig vergessen, die Qualitäten des ersten Teils wurden hervorgehoben und dessen Schwächen zum Teil sogar verbessert. Die herbstliche Handlung verleiht den Bildern raue Kälte, die sich besser macht und weniger instagrammig aussieht, als die bisherigen Einstellungen mit möglichst viel Gegenlicht. Das Land fühlt sich wilder und ungebrochener an. Da fügt sich die Härte des längsten Teil der Reihe perfekt ein. Die Geschichte um Ölbaron Santer (Nuschelig: Mario Adorf) und dessen skrupellosen Sohn ist mit den wenigsten Drehbuchpatzern und bis weilen wirklich guten Dialogen, der Unterbau für einen politischen Krautwestern der schönsten Sorte.

Michael Maertens, der diesen Antagonisten spielt, ist dabei wirklich so brillant, dass es eine bloße Freude ist, ihm beim Spiel zuzusehen. Er erweckt Erinnerungen an die unbändige Wahnsinnsenergie eines Klaus Kinski. Seine Blicke können töten und somit spielt er den gesamten Cast auf einer halben Arschbacke gegen die Wand. Es grenzt an Mord vor der Kamera, wie er seine Kollegen gegen die Wand spielt.  Seine Besetzung ist jedoch ein doppelter Coup. Selbstreferenzialität und die generelle Assoziation seiner Person mit der Stadt Wien, lassen ihn wie ein Western-Abbild des Rechtsextremen Hofers wirken. Mit seiner Figur wurde ein filmisches Pendant zu den Triebfedern der Rechten, die den Rassismus des Pöbels zur Gewinnmaximierung instrumentalisieren.

Die Action in diesem Teil ist weitaus besser inszeniert als in den beiden Vorgängern – das Wort „gut“ würde ich allerdings noch nicht in den Mund nehmen. Ebenfalls gelingen Philip Stölzl ein paar wirklich schöne, ja gar berührende Momente. Winnetous Tod, Old Shatterhands Ernennung zum Häuptling und die Schließung der Blutsbruderschaft! Ja, die Blutsbruderschaft – und generell: Wenn am Ende dieser Trilogie ein Gefühl steht, dass einen Hoffen lässt und wieder Glauben an die Grenzenlosigkeit des Western als Filmgenre stiftet, dann wurde etwas richtig gemacht. Respekt an alle Beteiligen, Respekt an Philip Stölzl, und Respekt an RTL. So darf das gerne noch einmal gemacht werden.