Herz aus Stahl

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Man hat den Krieg im Film nun schon durch viele Augen gesehen, doch noch nicht von Regisseur David Ayer. Gleich in der erste Szene wird dem Zuschauer klar gemacht, was ihn erwartet. Der Krieg wird hier von seiner dreckigen und rohen Seite gezeigt, wenn gleich Brad Pitt einen deutschen Soldaten auf schlimmste Art mit dem Messer meuchelt und all den Hass der Amerikaner auf ihn einprasseln lässt. Auf eine große Exposition wird verzichtet und so findet man sich schnell im Kriegsgetümmel wieder, welches eine der gößten Stärken von Herz aus Stahl offenbart. Die Inszenierung der Aktionen trieft vor Exploitation und erreicht den Zuschauer damit affektiv, wenn auch die Darstellung der Defragmentierung menschlicher Körper nicht völlig zelebriert wird.

Die Gewalt ist roh, dreckig und voller Wut und doch liegt der Fokus glücklicherweise nicht nur auf der Action, sondern auch auf die zwischenmenschlichen Beziehungen der Leute in dem Panzer. Die Charaktere sind nicht nur seelenloses Flintenfutter sondern Menschen aus Fleisch und Blut, die zwar mangelhaft vorgestellt werden, jedoch durch die ruhige Inszenierung genug Zeit bekommen um Sympathien zu gewinnen. Eine weitere Stärke liegt in der audiovisuellen Gestaltung, denn wenn Mörserschlage den Saal zum beben bringen oder Schüsse bereits Sekunden vorher zu hören sind erzeugt dies eine unfassbar physische Präsenz. Ebenfalls lobenswert sind die starken schauspielerischen Leistungen der Protagonistentruppe, die für einige intensive Szenen sorgen.

Mangelfrei ist Herz aus Stahl allerdings bei weitem nicht, denn bei einer Laufzeit von 135 Minuten kommt er nicht über kleinere Längen im Mittelteil hinweg und setzt sich mit seinem Moralapostelende selbst über seine kompromisslose dreckige Konvention hinweg und lässt den Zuschauer spekulieren, was wohl bei einem Seitentausch der Fraktionen passiert wäre. Dennoch bietet Herz aus Stahl einen akzeptablen Einstieg in das Kinojahr 2015, wenn auch das große Meisterwerk ausbleibt.  Die dynamische Inszenierung der Action bietet ein Spektakel, die ruhige Inszenierung der Menschlichkeit bietet Gefühl und die starken Schauspieler dürfen trotz allem Dreck glänzen. Der Film ist dreckig, rau, zynisch, kann abseits der stimmigen Inszenierung auch keine Komplexität bieten, aber vielleicht ist das auch besser so.

fury

Alle Bildrechte obliegen dem Verleih ©Sony Pictures