Snowpiercer

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Ich beginne meine Reise am Ende des Zuges in der kalten und von armseligen Individuen getrübten Dystopie,in der jede Handlung gegen den Retter von uns allen mit aller Brutalität bestraft wird.

Mein Wille nach einem Fortschritt drängt mich in meiner Handlung! Nicht nur ich will endlich von dem schattengetränkten Ende des Zuges aufbrechen, um immer weiter gen Anfang zu wandern! Aus meiner Tristesse heraus entwickelt sich ein revolutionäres Gefühl der Hoffnung! Ich habe keine Lust mehr auf die geschmacksneutralen Proteinblocks, von denen ich nicht einmal weiß woraus sie hergestellt werden! Ich habe es satt zusehen zu müssen wie meine Freunde in meinem doch so dreckigen und bedürftigen Wagon leider müssen für die Gutbürger! Ich koordiniere einen Angriff und schaffe es tatsächlich einen Wagen weiter nach vorne zu gelangen.

Was ich dort erblicke sprengt meine gesamte Vorstellungskraft! In martialischen Kämpfen versuchen wir wenigstens in der Gesamtheit unserer Masse etwas bewirken zu können! In furioser Choreografie entbrennt ein Kampf, der nur mit dem Gedanken des Zieles vor Augen entbrannt ist! Fast schon künstlerisch versuche ich mich weiter Richtung Ausgang zu bewegen. Die Brutalität macht mich krank und doch ist sie das Mittel zum Zweck, um unseren Hass endlich loswerden zu können! Und durch meinen Willen schaffe ich es tatsächlich weiter nach vorne zu gelangen in die Welt der vermögenden Menschen und innerlich frage ich mich, wer bestimmt hat, welche Menschen in welchem Wagen untergebracht werden.

Ich gelange weiter nach vorne und erstarre vor Verwunderung. Ich befinde mich in dem Abteil derWohlhabenden. Ich bin fasziniert von der bunt vergrellten Optik, von der Exzessivität der Utopie, ja sie erschreckt mich schon fast. Und während ich immer weiter zum Kopf des Zuges renne, stelle ich fest, dass diese Leute alles haben und nichts von ihrem Erdleben vermissen. Sie vermissen nicht die Steaks oder ihren Schneider, sie vermissen keine Unterhaltung oder Stoffkonsum, da sie hier tatsächlich alles geboten bekommen! Doch diese Gute-Welt-Stimmung verjagdt mich! Ich beginne meine Welt zu vermissen, in der jeder jeden kannte und jeder auch gut mit jedem auskam! Hier stelle ich erschreckend fest, dass die Menschen ausser ihrer Stellung in der Zivilisation des Zuges weniger haben als ich! Sie haben keinen Stellenwert bei Anderen und verspüren keine Freude oder Neugierde, da sie weiterhin in ihrer monotonen Welt leben!

Und nun bin ich am Ziel angekommen und stelle fest, auch wenn ich wohl im schlimmsten Abteil gelebt habe, dass ich ein Individuum der verbleidenden Zivilisation bin und eigentlich dankbar sein muss, dass ich hier sein darf. Ich blicke zurück auf meine Reise und stelle fest, dass Snowpiercer wohl einer der interessantesten Film der letzten Jahre ist, der gerade durch seine skurille Abwechslung der Genresso gut funktioniert! Das ist mein Zug, und der Hut steht ihnen wirklich gut, Minister!

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