Ghost In The Shell

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Wenn Scarlett Johansson in hautenger Kleidung ordentlich austeilt, geht das Studio gerne von einem Kassenschlager aus. Im Falle des US-amerikanischen Remakes der gleichnamigen Anime-Reihe Ghost In The Shell dürften sie demnach von unzähligen Warteschlangen ausgehen – denn hier zieht die 32-Jährige gerne des Öfteren blank. Ein einfaches Verfahren zur Verschleierung mangelnder, filmischer Qualitäten? Finden wir es heraus.

Das Cyberpunk-Genre hat spätestens seit Matrix Kultstatus erlangt. Wie auch dort lebt der Film von seinen fantastischen Visualisierungen und einem großartigen Setting. Tatsächlich lohnt sich bei Ghost In The Shell sogar der Griff zur 3D-Brille, denn jene visuellen Effekte sind auf dreidimensionaler Betrachtung überaus gelungen. Somit ist die inszenatorische Prämisse ein großer Erfolg für den Film. Das auch wichtig, denn im Gegenzug wurde die Umsetzung einer ebenso beeindruckenden Story vollkommen vernachlässigt.

Das Drehbuch verlässt sich auf den üblichen Standard mit großoberflächlichen, philosophischen Andeutungen, die in dieser Form bekanntes Geschwafel sind. Erfrischende Einwände werden hier vergebens gesucht. Glücklicherweise performt Johansson ihren Charakter mit würdiger Tiefe, sodass das dramaturgische Interesse durch die vorhandende Identifikation gestärkt wird. Davon betroffen ist auch ihr Schauspielkollege Pilou Asbæk, der sich als Idealbesetzung für seine Rolle des rauen, menschlichen Mitspielers Batou herausstellt. Somit punktet zwar keineswegs die Story, doch umso mehr die Darstellung ihrer zwei Hauptfiguren.

Ähnlich ist dies mit dem Verhältnis der Action und ihrer musikalischen Untermalung. Überwiegend wirken die ewigen Schusswechsel recht teilnahmslos und bilden so keineswegs die Höhepunkte des Filmes. Stattdessen handelt es sich um inszenierte Fließbandproduktionen, die keinerlei Besonderheit erreichen. In diesem Zuge ist der herausragende Score von Clint Mansell zu loben, der einen gewaltigen Teil der Intensität und Atmosphäre zu verantworten hat. Perfekt ausgewogen ist hier der Wechsel von unterkühlter Synthetik und melodischer Emotionalität. Ohne ihn wäre die Action tatsächlich distanzierte Mangelware geworden.

Wie es sich schon bemerkbar macht, lässt sich Ghost In The Shell schwer als Gesamtwerk betrachten. All seine Elemente spielen mit ihrer eigenen Kunst – und das leider nicht auf ein und derselben Qualitätsebene. Vollends verschmelzen oder durchweg kommunizieren tun seine filmischen Glieder nur selten oder gar zufällig. Bei Betrachtung des Einzelnen findet man dennoch die ein oder andere Stärke, welche das Remake vor dem Misserfolg retten.

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Alle Bildrechte obliegen dem Verleih ©Paramount Pictures.